Mai 2024

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  • Unendliche Weiten

Offshore-Yachti

 

Bei mir ist ziemlich was los. Vorgestern wurde ich zum Offshore-Yachti - äh, Yaki. Wir fuhren nämlich auf der Nordsee nach Vlieland. Peter meint, ich wäre eine Kanalratte, weil ich mich dort sicherer fühle. 

Das ist so ziemlich frech und ungerecht, denn meine erste Kontrollrunde um das Schiff habe ich auch auf offener See gemacht. Unter strenger Aufsicht von Mamayaki, aber das versteht sich von selbst.

In Vlieland verteidige ich mein Schiff mit all meinen Möglichkeiten. Schwimmerin in der Nähe? Wird angeknurrt, nutzt das nichts, wird gebellt, bis sie umkehrt.

Hunde auf dem langen Steg, die in meine Nähe kommen? Raus vom Schiff und laut und deutlich die Meinung sagen. Dann ist Ruhe.

Okay, ich bin jetzt wieder ständig angeleint und meine Freiheit wurde einmal mehr stark eingeschränkt. Peter findet meine Aktivitäten toll. Mamayaki weniger. Und weil sie bei mir das Sagen hat, habe ich in diesem Aspekt Pech.

Auf der Autobahn habe ich unterwegs mal gelesen, dass man bei Pech die Nummer 112 bellen soll. Vielleicht wäre das die Idee dazu.

Gestern dann durfte ich nach langen Wald- und Sandspaziergängen auch noch mit dem Vliehorse-Express mit. Das hat geschüttelt und gerüttelt. Aber es war trotzdem richtig cool. Draussen hatte es in der Ferne auch Hunde - Seehunde. Und im Sand rumlaufen war auch nicht schlecht.

Die Reise geht weiter

 

Ich liege gerade im Schatten auf der Selandia und geniesse die Ruhe. 

Ruhig war es gestern keineswegs hier. Gelandet sind wir in Leeuwarden, der Hauptstadt Frieslands. Gelegen ist der Park, wo wir festmachten, wunderbar. Leider ist es so sumpfig, dass alle Pfoten und Füsse jede Menge Dreck an Bord hieven. Mamayaki hat also nach jedem Ausgang zu tun. 

Der Park steht allen offen. Und so liegen uns die Menschen in vielen Gruppen zu Füssen. Mamayaki kommt sich vor wie im Zoo. Nicht hinter Gittern zwar, aber dennoch ausgestellt auf dem Präsentierteller. Das mag sie gar nicht. Ich verziehe mich und gut ist. Die Temperaturen sind bis auf satte 28 Grad gestiegen. Auch das ist nicht unbedingt meins. Mamayaki sieht das genauso.

Zuvor waren wir auf Vlieland. Das war ein Traum. Kilometerlange Sandstrände, wunderbarer Wald. Herrlich! Ich habe für mich den Sandstrand entdeckt. Letztes Jahr war ich noch nicht so dermassen begeistert über sandige Pfoten. Jetzt stört mich das wenig oder überhaupt nicht.

Dann ging es zurück nach Franeker. Das kannte ich bereits und freute mich über gewohnte und neue Wege, die ich mit Mamayaki begehen konnte. Es war schön! Sehr. Bis auf den letzten Abend. Da wurde ich so was von zusammengepfiffen. Das reicht für ewig. 

Gut, ich weiss, ich habe Mist gebaut. Ich bin wieder mal von Bord gesprungen, habe einen Schäferhund angemacht und bin dann reumütig, geduckt angekrochen gekommen. Mamayaki hat mich kommentarlos an Bord gehievt. Aber ich wusste natürlich auch so, dass es nicht gut war. 

Mamayaki ärgert sich vor allem auch deshalb über mich, weil ich nicht höre, wenn sie mich ruft und ich dann so tue, als bekäme ich von Mamayaki Schläge. Nie und nimmer würde sie mich schlagen, aber ich habe da halt so meine Erfahrungen von früher und nicht von ihr.

Kurz und gut: Ich sprang kurz darauf nochmals, als derselbe Hund wieder zurückkam. Da ich im Schiff war, war ich nicht angebunden. Ich also raus… Da setzte es aber was. Dieses Mal war Mamayaki so sauer, wie ich sie - glaub ich wenigstens - noch nie erlebt habe. Sie schimpfte mich ordentlich raus, hob mich zurück aufs Schiff und meinte, ich solle verschwinden. 

Was ich auch tat. Ich verkroch mich unter den Tisch in mein Bettchen. Dort bin ich äusserst selten zu finden, denn bei Mamayaki auf dem Sofa ist es viel schöner. Aber gerade war es wohl kaum angezeigt, in die Nähe zu kommen.

Mamayaki litt, glaub ich, genauso wie ich. Jedenfalls rief sie mich nach etwa zehn Minuten zu sich, ich musste mich setzen und dann lobte sie mich fürs Kommen und Sitzen. Ich war sehr reuig und schlich nur geduckt umher, sodass mich Mamayaki in ihre Arme nahm und mich beruhigend streichelte. Es sei jetzt gut, sie müsse halt besser auf mich aufpassen. Anscheinend könne ich es nicht ändern. Stimmt. 

Etwas später wollte ich ins Bett. Das durfte ich. Ich ging aber nicht, wie sonst immer, auf meine Seite, sondern legte mich dorthin, wo später Mamayaki zu mir kam. Sanft legte sie sich hinter mich, sodass ich mich ganz eng an sie schmiegen konnte. Ich wollte sogar in den Arm genommen werden. Nun gut, so eine Versöhnung hat durchaus auch was. Auf jeden Fall ist meine kleine Hundewelt wieder schwer in Ordnung.

Ich habe verstanden: Mamayaki hat mich immer lieb. In jedem Fall. Was aber nicht ausschliesst, dass sie sich auch mal über mich ärgert.

Die Fahrt nach Leeuwarden genoss ich sehr. Es ist schön, im Steuerstand in Mamayakis Armen zu dösen oder neben dem Skipper zu liegen, der mich auch immer ganz lieb streichelt. Auch meine Runden über das Deck finde ich super - da bin ich frei, denn ins Wasser springe ich nicht. Auf dem Vordeck kann ich dann mit Mamayaki blödeln. Das macht tierisch Spass.

Jetzt sind wir bis am Donnerstagmorgen hier. Dann geht es zurück nach Sneek. Mamayaki sagt, sie müsse dann wieder packen, putzen und zuvor noch etwas waschen. Letzteres hat sie noch nie gemacht. Das könnte sie doch auch zuhause? Aber nein, Mamayaki meint, unser Abenteuer sei noch nicht zu Ende. Leider aber der Törn mit Peter auf der Selandia, der dieses Mal ganz besonders schön war. 

Meint Mamayaki mit Abenteuer die Heimfahrt? Die finde ich nie toll. Da schlafe ich zwar, aber ich weiss, dann ist mein herrliches Schiffsleben, das ich so liebe, wieder zu Ende. „Ist es nicht.“, sagt Mamayaki. Ich lass mich mal überraschen.

Pfingstmontag

 

Seit kurzem bin ich, zusammen mit Mamayaki, in Stavoren auf einem Hausboot.

Darüber werde ich berichten. Ich muss mich hier noch immer eingewöhnen. So toll finde ich es nicht. Mir fehlt die Selandia, das Boot fahren mit meinen Kontrollgängen über Deck, die Nase in den Wind halten und mir fehlt auch Peter. Fuhr doch der nach dem Abladen einfach wieder weg und liess mich zurück. Geht gar nicht.

Wobei Mamayaki hier einwendet, dass ich ihn am Freitag, als Mamayaki unbedingt selbst die Küche hat putzen wollen, und Peter mit mir spazieren ging, auch ganz schön im Regen stehen liess. Stimmt. Aber was soll Hund denn tun? Da packen die Menschen alles zusammen, Mamayaki allein an Bord und ich soll dann so tun, als wäre nichts?

Ich ging mit. Etwas widerwillig. Dann entschied ich mich, so zu tun, als würde ich gern dem Ufer entgegenrennen. Was ich stets gern tue, denn über die Wiese zu flitzen macht Spass. Heute? Ich tat nur so. Peter fiel auf mich rein und ich düste los, schlug einen Haken und kehrte blitzartig um zur Selandia. Ich ging auch allein an Bord. Wie verrate ich lieber nicht. Niemand hat es bemerkt. Umso besser.

Peter war nicht amused. Ich auch nicht.

Seit den frühen Morgenstunden - aber auch gestern Nacht schon, ist hier Krach. Nachdem Max Verstappen einmal mehr ein Autorennen gewonnen hat, glaubte Mamayaki zuerst, sie hätte wohl einfach zu viel davon geschaut und träume nun davon. Nichts geträumt. Die Motorengeräusche sind echt. Allerdings nicht von den Boliden, sondern von Motorrädern.

Es findet nämlich, wie jedes Jahr am Pfingstmontag in Friesland, die Elf-Städte-Tour mit dem Fahrrad, aber eben auch mit Motorrädern, Velosolexes und alten Autos statt. Die Tour umfasst 235 km.

Rund 15‘000 Radfahrer und Hunderte von Motorradfahrern starten in Gruppen um 5 Uhr morgens von Bolsward. Zuerst geht es nord-, nach dem Mittag südwärts. Die letzten Fahrradfahrer erwarten wir hier gegen 17 Uhr in Stavoren. Wer es vor Mitternacht zurück schafft, bekommt eine Medaille. 

Es können alle mitmachen, mit welchem Fahrrad auch immer - Rennrad, normales Rad, Tandem - was auch immer. E-Bikes sind allerdings nicht erlaubt - eigene Muskelkraft ist gefragt. Woher ich das alles weiss? Mamayaki hat sich heute Morgen, als sie mit eigenen Augen die vielen Räder und überall die Flagge von Stavoren an jedem Haus gesehen hat, an einen älteren Mann gewandt, der gerade in einer Seitengasse vors Haus kam, um die Flagge zu hissen. Er hat Mamayaki alles ausführlich erklärt. 

Man muss halt reden mit den Leuten. Sag ich schon lange.

Nicht meins

 

Sorry, aber ein Hausboot ist nicht meins. Mamayaki mag Spass daran haben, ich habe es nicht.

Es fängt damit an, dass ich grosser Hund - ich weiss, dass ich grössenmässig eher bei den Kleinen bin - nicht selbständig von und an Bord kann. Jeder, der mich kennt oder schon nur mal von mir gelesen hat, weiss, dass ich bei der Selandia an jedem Ort von und an Bord kann. Allein. Meine Sprungkraft ist legendär!

Letzteres passt Mamayaki zuweilen nicht, was ich verstehe, und da bin ich dann auch gern bereit, einen Kompromiss zu machen: Runter allein, rauf mit Hilfe.

Hier? Pustekuchen! Ich schaffe es nicht. 

Und jeder, der uns sieht, lacht sich doch schlapp. Das sind gerade mal 40 - höchstens 50 cm. Je nachdem wie das Hausboot durch den Wind gerade steht. Diese Distanz springe ich locker. In der Regel. Hier nicht. Denn, wenn ich springen will, rutsche ich aus und lande in der Mitte - sprich im Wasser. Aber zum Glück war Peter noch da und hat das mit mir danach mehrfach ausprobiert, bevor er nachhause fuhr. Er hat dann blitzartig reagiert und mich gerade noch halten können. 

Weitere Versuche machen wir erst gar nicht und ich bin damit einverstanden. Ärgern tut mich das trotzdem. Ich bin schliesslich gern selbständig.

Mamayaki passt auf, wie ein „Häftlimacher“, dass ich ja nicht allein raus kann. Und so ist auch auf dem Vordeck, das eigentlich nicht ganz so schlecht ist, auf beiden Seiten Barrikade. Denn man kennt mich: Wenn Hund draussen, ich auch…

Hier? Keine Chance.

Das ist aber noch lange nicht alles. Trotz Fliegengitter kommt immer mal die eine oder andere Fliege rein. Ich hasse die! Und noch mehr, wenn Mamayaki zur Fliegenklatsche greift. Zuhause flüchte ich mich in einen anderen Stock. Hier? Fehlanzeige. Wohin bitte soll ich flüchten? Ins Bad? Das ist zu. Ins Schlafzimmer? Nützt nichts, denn das ist ja gleich nebenan.

Mir fehlt Raum. Mir fehlt Freiheit. Mir fehlt das Zuhause. Oder noch besser, die Selandia.

Letztere suchte ich täglich dort, wo wir das letzte Mal lagen. Fehlanzeige. Heute hat sich Mamayaki geweigert, schon wieder meinen Kontrollgang mitzumachen. Die Selandia sei nicht da. Sagt Mamayaki. Und wenn doch? Dann habe ich sie heute verpasst und muss weiterhin auf diesem Nicht-Schiff verweilen.

Mamayaki sagt, sie verstehe mich, aber ich hätte hier wirklich sonst alles: Gutes Essen, mehrere kuschlige Schlafplätze, Kuschelzeiten, lange Spaziergänge, alles wie sonst auch.

Ja, ja, schon recht. Aber! Und überhaupt!

Besser


Besser heisst noch lange nicht gut. 

Gestern hatte ich einen wirklich guten Tag. Wir sind - wie immer - ganz viel gelaufen. Dieses Mal aber durfte ich frei auf den Grasdünen laufen. Weit und breit kein Mensch - ausser manchmal ein paar Fahrradfahrer, die unter mir unterwegs waren. Ansonsten: Niemand. Herrlich!

Irgendwann kam ein Tor, das wir passieren wollten. Es stellte sich aber heraus, dass es kein Tor war, sondern ein Teil, über das man steigen musste. Eine Stufe hoch, dann Bein rüber und auf die Stufe auf der anderen Seite runter. Also für Menschen. Ich? Keine Chance. Unten drunter kam ich auch nicht. Habe ich probiert.

Aber das kann natürlich eine Mamayaki nicht erschüttern und mich schon gerade gar nicht. Mamayaki stieg rüber und liess mich stehen. Kurz bin ich schon erschrocken. Wollte die mich jetzt echt hier stehen lassen? Nicht ihr Ernst? Klar, dass nicht.

Mamayaki blieb auf der anderen Seite auf der Stufe stehen, bat mich auf meiner Seite auf die Stufe zu klettern, was ich selbstredend sofort tat. Dann kam das Hundehebewerk zum Einsatz. Mamayaki hob mich hoch und setzte mich auf der anderen Seite wieder runter, und zwar direkt aufs Gras. Prima.

Voller Freude ging ich danach auf Schwanenjagd.

Heute dann wollte Mamayaki mit mir nach Hindeloopen. Es blieb beim Wollen. Extra hatte Mamayaki alles gut recherchiert, war auch schon an der Bahnhofsstation, um dort zu schauen, wie man das Ticket lösen konnte. Alles klar.

Dann ging auch alles wunderbar. Bis und mit Zahlung. Dann beim Ausdrucken der Tickets hiess es plötzlich, es gäbe ein Problem bei der Fertigstellung. So ein Mist.

Ohne Ticket wollte Mamayaki nun aber nicht einsteigen. Also machten wir zuerst mal einen langen Spaziergang übers Land, um uns abzureagieren - ja, ich auch. Mich nerven solche Aktionen ebenfalls, denn ich wäre echt gern in den Zug eingestiegen, Mamayaki allein hinderte mich daran.

Von der Kreditkarte abgebucht war es. Und nun? Ab ins Tourismusbüro, wo sich Mamayaki bei einer ganz netten Frau erkundigte, wie um alles in der Welt sie für mich ein Ticket kaufen könne, wenn der Automat nicht funktioniere. 

Dazu muss man wissen: Mamayaki kann über Gimble online ein Ticket lösen. Oder direkt mit Kredit- oder Debitkarte ein- und auschecken. Für mich geht das nicht. Ich brauche eine Hundetageskarte, die kaum was kostet, die man aber nur am Automaten lösen kann…

Zuerst wollte die Frau vom Touri-Büro uns die Nummer raussuchen. Dann befand sie, dass sie selbst dort anrufen würde. Das dauerte ein bisschen. Da aber kaum Leute kamen, blieb sie dran. Mamayaki zeigte der netten Frau, auf Anfrage, dass der Betrag abgebucht wurde. Dann bekam Mamayaki den Hörer in die Hand und führte ein nettes Gespräch mit der Angestellten von Arriva - der Zuggesellschaft. Die Frau meinte dann, dass es für mich kein Ticket brauche, wenn ich klein sei und bei Mamayaki auf dem Schoss liege.

Ha, klein? Okay. Auf dem Schoss liegen? Noch so gern. Und ich fahre gratis. Ätsch!

Das Geld bekäme Mamayaki zurück, wenn sie auf die Website ginge. Ging sie. Also nicht die Website. Dort war ein Kontaktformular. Ausfüllen konnte Mamayaki das schon, obwohl die deutsche Übersetzung nicht ging. Akzeptieren wollte man das alles aber nicht, weil Mamayaki ja schlecht die Adresse vom Hausboot angeben konnte… Die Telefonnummer war ungültig. WhatsApp ging auch nicht. Da kam Mamayaki die Idee, sie könnte über das Kreditkarteninstitut intervenieren. Beim Öffnen dann die grosse Überraschung: Das Geld war schon zurück überwiesen.

Der nächste Hindeloopenausflug steht also noch an. Sobald es aufhört zu regnen sind wir dabei.

Das gibt wenigstens wieder mal eine Auszeit vom Hausboot. Nein, ich mag es nicht. Basta.

Es läuft vieles gut für mich und vieles ist auch schön. Zum Glück. Aber ich hoffe schwer, dass wir hier nicht für immer bleiben. Mamayaki sagt immer wieder, dass wir schon wieder nachhause gingen. 

Nur wann?

Enkhuizen


Gestern war für mich ein toller Tag. Mamayaki machte am Morgen alles für einen Ausflug bereit. Das sehe ich jeweils sofort. Ich freute mich.

Ab ging’s, nach einem kleinen Morgenspaziergang, zum Tourismusbüro, wo Mamayaki eine Tageskarte für die Fähre nach Enkhuizen kaufte. Wow, wie cool war das denn!? Als wir einsteigen durften, war ich ausser Rand und Band. Endlich wieder auf ein Schiff!

Mamayaki ging mit mir ganz nach unten hinten raus, wo ich an der Sonne mein Näschen in die Luft halten konnte. Das war ganz nach meinem Geschmack. 

Wenigstens so lange, bis die Fähre den Hafen verlassen hatte und aufs offene IJsselmeer fuhr. Jetzt hatte es aber Wellen. Und die gefielen mir gar nicht. Ich bekam es mal wieder mit der Angst zu tun und ich begann zu zittern. Da halfen noch nicht mal Mamayakis beruhigende Worte und ihr gutes Festhalten. Ich wollte raus.

Mamayaki ging mit mir rein, setzte sich auf einen Stuhl ganz hinten an einen Tisch und ich kuschelte mich in ihre Arme. Gut war’s. Mamayaki sagt, die Wellen wären ganz einfach von der Fähre selbst gekommen, als sie das Wasser verdrängte. Kein Grund zu Panik. Mamayaki hat leicht reden.

Unterwegs kam eine ganz nette Frau zu mir, die Mamayaki einen Cappuccino brachte. Die war ganz lieb und streichelte mich lang. Später besuchte ich sie in der Panoramabar. Dort hätte es auch Mamayaki gefallen, aber da es schon wieder nur Barhocker gab, zog sie es vor, auf richtigen Stühlen an einem Tisch zu sitzen. Das war auch gut. Vor allem, weil wir da ganz allein waren. Das mögen wir beide. Oben hatte es andere Leute und einen anderen Hund. Musste nicht sein.

In Enkhuizen gingen wir essen. Jawohl. Wir. Mamayaki bestellte ein feines Carpaccio-Brot, von welchem ich selbstverständlich ebenfalls einen Teil abbekam. Das Leben ist schön!

Ansonsten sind wir ganz lange spaziert und ich hatte endlich mal wieder festen Boden unter den Füssen.

Etwas früher als gemusst, waren wieder dann wieder am Ferry-Terminal. Ich suchte das Schiff, aber es war noch nicht da. Wegzubewegen war ich aber nicht mehr. Das wollte ich auf keinen Fall verpassen. Aber ich musste nochmals mit in den Park, den es Mamayaki angetan hat. Der ist auch schön. Ich beneide ein bisschen die Menschen und Hunde, die dort wohnen.

Zurück, war die Fähre schon da. Aber wir durften natürlich noch nicht an Bord. Aber weg wollte ich nicht mehr. Also legte ich mich hin und döste. Plötzlich verliess da eine Frau das Schiff. Hey, die kannte ich. Das war doch die ganz liebe Frau von heute Morgen. Ich sprang auf und sie grüsste mich von Weitem ganz lieb. Schade. Nun war sie weg.

Endlich durften wir an Bord. Der Matrose und der erste Offizier meinten: „Ik ken je van vanmorgen. Ja, ja, de  hondije blijft.“ Früher war es noch Mamayaki, die in Erinnerung blieb. Heute bin es halt ich. ☺️🐶

Freiwillig wollte ich wieder hinaus an die frische Luft. Es kam dann ein junger Mann, der fragte, ob Mamayaki was trinken möchte. Ja, das wollte sie. Allerdings erst in zehn Minuten, weil wir dann wahrscheinlich wieder drin sein würden. Dies wäre kein Problem. Er bringe es einfach dorthin, wo wir dann gerade wären. Na draussen, mir gefiel es gut.

Ich streckte die Nase in die Luft, beobachtete die Möwen und andere Vögel und fand es herrlich. Auch nach dem Ablegen. Mamayaki glaubte, sie träumte. Tat sie nicht.

Allerdings ging es dann doch nicht so lange und ich hatte genug. Dieses Mal zitterte ich zwar nicht, aber ich hatte es gesehen. Es gab Wellen. Die spritzen. Und ich wollte rein.

Gerade rechtzeitig. Denn die Bestellung wurde gerade ausgeliefert und ich wurde einmal mehr ausgiebig gestreichelt.

Es war ein toller Tag! Völlig erledigt wollte ich ganz früh zu Bett. Aber das können wir gern wiederholen.

Heute gab ich meinem Wunsch deutlich Ausdruck, indem ich direkt zur Pier ging. Leider ging es nicht weiter. Und Mamayaki sagte, die Fähre sei auch gar nicht da. Schade.

Unendliche Weiten,


ein Ort, wo Yaki noch nie zuvor gewesen ist. Oder so.

Wäre dieses vermaledeite Hausboot nicht, es könnte so schön sein!

Da war die Mutprobe. Immer wieder gehen wir den Weg der Küste entlang, wo es in einem Abschnitt auch Schafe hat. Ich habe gelernt, dass die in aller Regel bleiben, wo sie sind. Ausser die ganz Kleinen. Da kam doch eines zu mir und wollte mich begrüssen. Da habe ich aber Panik gekriegt und mich blitzschnell hinter Mamayaki verkrochen.

An einem anderen Tag, zu anderer Zeit, lagen die Schafe dann mitten auf dem Gehweg. Ich dachte, ich krieg die Krise. Aber wie das mit Mamayaki so ist, sie hat nicht immer ein Einsehen, ich somit das Nachsehen. Wir mussten da durch. Mamayaki beruhigte mich und es ging alles wirklich gut. Bis sich ein paar ganz grosse Schafe doch tatsächlich auf uns zu bewegten, da begann ich aber zu bellen. Das ging gar nicht. Ich habe gelernt, dass dies hilft und die sofort weggehen. Ich könnte mich zum Schaf-Hütehund ausbilden lassen. Rein theoretisch, praktisch will ich das nicht.

Gestern dann haben Mamayaki und ich einen ganz langen Spaziergang nach Molkwerum gemacht. Das sind knapp 6 km. Diese Wanderung war echt schön. Wir sind schon mal ein Stück so zusammen unterwegs gewesen und ich habe es geliebt. Dieses Mal war es nur viel länger. Und nicht immer ganz so schön.

Zuerst konnte ich freilaufen und rumtoben und Schwäne jagen und andere Vögel und überhaupt. Mein Hundeleben war grandios. Zwischendurch kam Mamayakis Hundehebewerk wieder zum Einsatz - davon habe ich ja auch schon berichtet. Weiter ging’s.

Dann sah ich es. Von weitem schon. Da waren Schafe. So viele, dass mein kleines Hundeherz schneller als nötig schlug und ich eigentlich sehr gern umgekehrt wäre. Fehlanzeige. Es kam wieder ein Gatter mit Stufen und Mamayaki kletterte als Erste rüber - ich kann ja nicht… Ich wäre aber auch nicht. Denn eben, auf der anderen Seite waren SCHAFE! 

Trotzdem kletterte ich auf die erste Stufe, denn allein bleiben wollte ich auch nicht. Nach der Hebeaktion spazierten wir weiter. Ich an der Leine. Logisch. Und die Schafe wollten nicht enden. Es war eine Qual.

Irgendwann sah ich einen Weg nach unten auf den Radweg. Bittend schaute ich Mamayaki an. „Klar können wir nach unten gehen, wenn es dir dort wohler ist.“ Gesagt und getan. Unten gab es dann zwar auch das eine oder andere Schaf und ab und zu ein paar Fahrradfahrer, aber das war allemal besser als da oben auf der Düne. 

Es sei aber nicht dieselbe Aussicht, monierte Mamayaki. Die Aussicht auf Schafe war mir längstens vergangen. Und Mamayaki musste sich ja auch ständig konzentrieren, dass wir ohne Schafskollision vorwärtskamen. Also nichts mit Aussicht.

Ich war froh, als wir endlich in Molkwerum ankamen. Problemlos ging es vorbei am Campingplatz und durchs Örtchen. Beim Campingplatz hätte ich gern eine Pause mit was zu essen gemacht, aber Mamayaki hatte keine Lust dazu und wollte zum Bahnhof. Das war mir auch recht. Wenigstens war ich so die Schafe los.

Der Bahnhof war dann ein Kilometer entfernt und auf den Zug hatten wir 40 Minuten zu warten. Es hätte also allemal für einen Halt im Campingrestaurant gereicht…

Das Zug fahren kenne ich aus der Schweiz und das passt mir auch hier. Beim Aussteigen erkannte ich es aber schon: Wir waren zurück. Und das Hausboot auch. So ein Mist.

Wann gehen wir endlich nachhause?