März 2023
- Hochmut kommt vor dem Fall
- Und was ist das?
- Lola
- Besuch
- Mamayakis Heldenbrust
- Begegnung in der Nacht
- Rufus
- Weltfrauentag
- Wo die wilden Kerle wohnen
- Social Credit Points
- Scherben bringen Glück
- Der Grösste
- Impfvorbereitung
- Tollwut
- Der Tag nach der Impfung
- Aprilwetter
- Ein Supertag
- Meine Namensliste
- Im Duopack billiger
Hochmut kommt vor dem Fall
In der Nacht hatte mich Mamayaki geweckt. Nicht absichtlich. Aber ich war wach und konnte eine Zeit lang nicht mehr einschlafen. Das nahm ich ihr übel.
So übel, dass ich am Morgen ziemlich missgelaunt war und jede Annäherung verbat. Streicheln? Nein danke. Bauch kraulen? Auf keinen Fall. Kuscheln? Vergiss es. Demonstrativ kehrte ich mich mit einem lauten Schnauf weg.
Mamayaki nahm es gelassen. Ich weiss aber schon, dass sie das nicht so schön fand. Als sie mit allem fertig war, ging sie Haare bürsten. Das ist der Moment, wo ich auch dafür anstehe. Heute? Die Bürste kann mir gestohlen bleiben. Direttissima stieg ich die Treppe runter und legte mich aufs Sofa.
Mamayaki zog die Schultern hoch und liess sie wieder fallen. Es ist wie es ist. Einer ihrer Lieblingssätze, obwohl sie diesen in Tat und Wahrheit nicht ausstehen kann.
Dann gingen wir auf den Spaziergang und ich benahm mich wie immer. Unterwegs traf ich zwei Hunde, die ich mag und ich tollte mit ihnen rum und genoss mein Hundeleben.
Bis fast am Schluss. Dann tat mir die linke Vorderpfote weh und ich hinkte. Mamayaki beobachtete. Meistens ist es irgendeine Baumnadel, die mich piesakt und die ich selbst wieder rausbekomme. Wenn nicht, dann hilft mir Mamayaki. So auch heute, weil es einfach nicht besser wurde und ich schnell zu ihr ging und um Hilfe bat. Natürlich schaute Mamayaki sich meine Pfote gründlich an, fand aber nichts.
Ich weiss ja auch nicht, was genau war, es tat einfach weh. Wir gingen dann nachhause und ich lief wieder einigermassen normal. Zuhause hinkte ich aber weiter und suchte die Nähe von meiner Mamayaki. Nochmals schaute sie meine Pfote genau an, fand nichts und nahm mich schlicht und einfach in ihre Arme, drehte mich auf den Rücken, streichelte meinen Bauch und mein Brüstchen und hielt die Pfote in der einen Hand umschlossen.
Mmmmhhh, tat das wohl. Mamayaki gab meiner Pfote Reiki und alles fühlte sich schon viel besser an. Schnell schlief ich in Mamayakis Armen ein und träumte von meinem wunderbaren Hundeleben. Später legte Mamayaki mich sanft aufs Sofa, streichelte mich liebevoll und liess mich ausruhen.
Als ich erwachte, war alles wieder gut.
Der Titel ist nicht von mir. Mamayaki hat keinen Mucks gemacht, als ich dann doch noch zu ihr ging, als ich Hilfe wollte. Sie war einfach da. Ihre Gedanken konnte ich trotzdem hören.
Und was ist das da?
Mein Frühstück war einmal mehr sehr lecker. Mittendrin fand ich auch eine grüne Tablette, die ich hätte fressen sollen. Was ich heute nicht tat.
Mamayaki gibt mir seit ein paar Wochen Colostrum, das gut für mein Immunsystem sein soll. Mag sein. Anscheinend brauche ich es, sonst gäbe es mir Mamayaki nicht.
Ich zeige immer mal wieder allergische Reaktionen – es gibt eine ganze Liste von Dingen, die ich nicht vertrage. Nicht schlimm, aber die Blütenpollen setzen Mamayaki und mir eben doch zu. Dann hatte ich eine Bindehautentzündung – wahrscheinlich eben auch allergisch bedingt. Das alles kann man behandeln. Mamayaki sagt, sie möchte mich unterstützen. Also gibt es diese grüne Tablette, die ich täglich brav nehme. Mal lieber, mal eben weniger.
Heute blieb sie liegen. Mamayaki putzte mein Schnörrchen. Das ist ein wunderbares Ritual, wenn ich fertig gegessen habe, und ich liebe es. Und dann sagte Mamayaki ruhig, auf den Napf zeigend: «Und was ist das da?»
Was für eine Frage. Sie weiss das ganz genau. Aber selbst ich, habe den Wink verstanden, nahm die Tablette und schluckte sie.
«Wow! Bist du ein toller Hund! Bravo und danke!» Ja, klar bin ich ein toller Hund. Ist das jetzt was Neues?
Lola 💕
Zwei lange Waldspaziergänge hatte ich gerade hinter mir, als bei Mamayaki ein SMS reinkam. Manuel, der Hütemann von Lola, meldete sich und fragte nach, ob sie Lust und Zeit hätte, mit mir, ihm und Lola einen Spaziergang zu machen.
Davon wusste ich nichts, ich bekam ja keine SMS. Aber Mamayaki sagte für später am Abend zu und erzählte mir alles.
Ab diesem Moment war ich unruhig. Wow! Lola! Meine liebste Freundin. So was Schönes. Immer wieder fragte ich, ob es jetzt losgehen könnte. Es konnte nicht.
Mamayaki hatte noch Besuch von einer lieben Freundin, die ich auch mag.
Sie mag mich auch, auch wenn sie keine Hundefreundin ist. Aber mich kleinen Kerl muss man einfach gernhaben und so haben wir es gut zusammen.
Endlich ging sie wieder. Mir ist das immer egal. Sie kann bleiben, solange sie will, denn wie gesagt, ich mag sie. Heute aber konnte ich es kaum erwarten, denn ich wusste, solange sie hier ist, geht gar nichts.
Bald schon ging es los. Draussen hiess es dann, noch einen Moment warten, denn wir waren noch ein kleines bisschen zu früh. Ganz aufgeregt setzte ich mich hin.
Und da kam sie auch schon. Schön wie immer mit ihrem wunderbar hellen, weichen Fell. Ich liebe ihre langen Haare. Sie ist einfach so richtig schön. Vor allem aber ist sie lieb, furchtlos und macht mit mir jeden erdenklichen Quatsch. Ich liebe sie!
Der Spaziergang im Wald war wunderbar und wir zwei hatten eine Menge Spass. Ganz zu Anfang stellte ich ihr noch meinen Dackelkumpel vor und wir spielten einen Moment zu dritt. Dann aber erkundeten wir den Wald. Viel intensiver als sonst, denn allein traue ich mich nicht. Mit Lola ist alles viel einfacher und mutig machen wir gemeinsam zahlreiche Entdeckungen.
Ich bin so froh, dass ich Lola kenne. Sie ist für mich nicht nur meine beste und liebste Freundin, sie hat mich auch gelehrt, dass ich offener und liebevoller auf andere Hunde zugehen darf. Das mache ich nun ganz oft und so habe ich schon zahlreiche neue Hundefreundschaften schliessen können.
Lola bleibt dabei aber meine Nummer 1.
Besuch
Wenn Besuch kommt, ist Mamayaki immer lange in der Küche. Zuerst hatte ich etwas Kummer, dass sie dann keine Zeit für mich hätte. Aber das ist nicht so. Wir gehen trotzdem genügend lange spazieren und auch fürs Schmusen haben wir genug Zeit.
Mamayaki plant alles gut durch und teilt sich die Zeit so ein, dass es trotzdem für alles Schöne für mich reicht.
Schön ist auch das Essen, das es jeweils gibt. Gut, nicht alles ist für mich. Aber Mamayaki passt dann eben eine Portion für mich an, sodass ich mit allen im Esszimmer essen kann. Das finde ich super.
Heute kamen Therese und Patrick. Therese ist eine liebe Freundin von Ursula. Mich mag sie auch. Sie ist keine wirkliche Hundefreundin. Trotzdem ist sie sehr nett zu mir. Patrick kannten wir noch gar nicht. Mamayaki und ich waren uns sofort einig, der durfte bleiben. Echt nett war er. Eben auch zu mir. Ich fühlte mich richtig wohl in seiner Gesellschaft. Ich wurde gestreichelt und geknuddelt, so war das prima für mich.
Dasselbe galt auch beim Besuch von Maria-Rosa und Giovanni. Die waren genauso nett. Gut, sie sind Katzenfreunde und sie erzählten ganz, ganz, ganz viel von ihrem neuen, jungen Kater. Das macht Mamayaki ja auch überall. Also jetzt nicht vom Kater erzählen. Das wäre ja noch schöner. Nein, nein, aber von mir. Das Haustier ist eben schon was Wichtiges. Es gibt ja Leute, die erzählen von ihren Kindern. Aber das ist was ganz anderes. Oder nicht?
Bald kommt wieder Besuch. Dieses Mal Heidi und Ernst. Uralte Freunde von Mamayaki. Ich bin gespannt. Eines ist sicher: Essen werde ich herrlich.
Ja, ja, der Besuch auch.
Mamayakis Heldenbrust
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz Mamayaki auf mich ist. Ich bin ein toller Hecht.
Äh, Hund!
Vor einem Jahr noch habe ich fast jeden Hund laut angemacht und ihm gezeigt, dass ich ihn nicht mag. Dabei kannte ich die alle ja gar nicht. Aber Vorsorge ist besser, dachte ich. Mamayaki war damit nicht so ganz einverstanden. Vor allem nicht mit der Art und Weise, wie ich das tat.
Heute? Mein Freundebuch wächst stetig. Meine Spaziergänge sind grösstenteils erfreulich entspannt. Viele meiner Artgenossinnen und Wegbegegner sind mittlerweile zu Freunden geworden. Mein Leben ist schön!
Was hat das alles mit Mamayakis Brust zu tun? Na, ihr solltet sie mal sehen, wie sie hoch erhobenen Hauptes, stolz auf mich, dahinschreitet.
Wenn ich das tue, sagt sie: «Zeigst du wieder mal dein Heldenbrüstchen?» Tu ich.
Sie aber auch.
Begegnung in der Nacht
Vor dem Schlafen gehen muss Mamayaki mit mir raus. Nur kurz, aber es muss sein. Sagt sie. Ich finde das nicht, aber mich fragt ja keiner.
Sie macht sich dann Mit Schuhen und Mantel parat, nimmt mein Gstältli und hofft, dass ich käme. Wohl kaum. Da muss sie mich schon bitten. Dann, ja dann, komme ich. Ihr zuliebe. Nicht weil ich müsste.
An einem Abend in dieser Woche war das wieder genau so. Es hätte nicht sein müssen. Wirklich nicht. Gnädig ging ich mit nach draussen, gähnte nochmals herzhaft – es war so kuschelig warm in meinem Hundebettchen… Schnell irgendwo ein Bisi liefern und gut ist.
Dann, plötzlich, stellte ich meine Ohren auf und war hellwach. Ich glaubte, zu träumen. Da kam mir doch in einem Affenkaracho meine Freundin Lola entgegengerannt. Das war gerade wie im Film, man hätte nur die Zeitlupe nutzen sollen. Freunde, ich träumte nicht! Lola kam wirklich.
Noch immer ist sie in ihrer Hütefamilie und Manuel ging zufällig zur selben Zeit noch mit ihr raus. Zufall? Ich glaube nicht an Zufälle. Lola ist mir zugefallen.
So sieht’s aus.
Wir haben uns dann eine gute viertel Stunde auf dem Rasen vor dem Haus vergnügt. Wer sagte denn was von müde?
Rufus
Auf dem Spaziergang im Wald kam mir ein kleiner Hund entgegen. Mamayaki nimmt mich immer an die Leine, wenn sie nicht sicher ist, ob ich den schon kenne. Sicher ist sicher, meint sie.
Als sie mich rief, war ich aber schon bereit, den Spaziergänger kennenzulernen. Also drehte ich mich nur kurz um und schaute, ob Mamayaki stehen blieb. Notfalls dreht sie sich nämlich um und geht weg. Dann ist es jeweils höchste Zeit, zu ihr zu laufen. Das ist unser Deal.
Heute blieb sie stehen, denn sie sah, dass er Hund auf mich zu rannte. Mamayaki blieb fast das Herz stehen. Der Hund war nämlich ein Westie.
EIN WESTIE! Ich hasse Westies. Ich knurre die an und sie mich. Wir sind uns nicht grün.
Tempi passati. Der Westie kam, sah und siegte. Ich fand den nett. Wir beschnüffelten uns, spielten sogar ein bisschen zusammen und Mamayaki entspannte sich. Huch, nochmals gut gegangen.
Rufus ist etwa so alt wie ich. Ich glaube, er mag mich auch. Wir werden jetzt wohl nicht dickste Freunde, aber wir akzeptieren uns und ich glaube, ich freue mich, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.
Weltfrauentag
Ihr Menschen habt doch einen an der Waffel.
Für alles und jedes braucht ihr einen bestimmten Tag. Wozu?
Mamayakis Versuch, mir das zu erklären, scheiterte kläglich. Ich verstehe es nicht und kann damit nichts anfangen. Letzteres ist auch für Mamayaki so. Darum klappte es mit dem Erklären wohl auch nicht so gut.
Ich sehe das so:
Es gibt Frauen, die sind ganz toll und liebevoll. Und es gibt andere.
Es gibt Männer, die sind ganz toll und liebevoll. Und es gibt andere.
Es gibt Hunde, die sind ganz toll und liebevoll und es gibt andere.
Okay, ich höre ja schon auf. Von mir aus könntet ihr gern jeden Tag einen Tag der tollen, liebevollen Wesen dieser Erde machen.
Wo die wilden Kerle wohnen
Natürlich spreche ich weder von Kerlen noch von ihrem Wohnort. Vielmehr geht es mir um meine, mittlerweile zahlreichen, sehr positiven Hundebegegnungen.
Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich Lola treffe und mit ihr spielen kann. Treffe ich sie häufiger, finde ich sie etwas anstrengend. Die hat so viel Power, dass sie mich einfach umhaut.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr glaubt das nicht? Lola kriecht unter mich und hebt mich so auf, dass ich nur noch auf den Vorderpfoten laufen kann. Dann wieder steigt sie einfach auf mich. Okay, ich bin stark und ich liebe Lola. Darum darf sie das.
Jedes Mal habe ich danach aber Muskelkater. Den mag ich nicht. Ich habe es nicht so mit Katzen. Dafür umso mehr mit Lola.
Wenn ich Mocca treffe, freue ich mich riesig. Sie rennt mit mir um die Wette, ist ungestüm und wild. Ich finde das toll. Eine Zeit lang. Dann wird mir das zu anstrengend.
Die Liste könnte ich beliebig fortführen, es ist mit allen so, ausser mit Amy. Sie ist schon alt und springt nicht mehr rum. Dafür können wir gemeinsam in aller Ruhe spazieren gehen. Das passt. Eine Zeit lang.
Dann wird mir das zu langweilig. Und ich freue mich auf eine nächste Begegnung mit Aaron oder Lola oder Mocca oder Lola oder Juna oder – sag jetzt nicht schon wieder Lola, höre ich Mamayaki sagen. Ich höre ja schon auf.
Nun habe ich herausgefunden, dass wenn es mir zu viel wird, ich Mamayaki um Hilfe bitten kann. Ich gehe dann zu ihr, schaue sie bittend an und springe proforma an ihr hoch.
Sie versteht mich und sagt dann nett zu den anderen Hundebesitzern, dass ich nicht mehr mag. Entweder wir Hunde kommen dann an die Leine und laufen so ruhig weiter oder aber wir verabschieden uns. So passt das.
Die wilden Kerle dürfen gerne wiederkommen. Die Ruhigen auch.
Social Credit Points
Mamayaki schaut zwischendurch fern. In einer Serie mit Wilsberg ging es um das Social Credit System. Das interessiert mich nicht.
Mamayaki freute sich, dass hier mal sozialkritisch dargelegt wurde, wie so was aussehen könnte.
Sie soll sich mal nur nicht so anstellen.
Ich bekomme täglich Social Credit Points. In Form von Gudeli nämlich. Immer dann, wenn ich besonders nett und aufmerksam gegenüber anderen Hunden bin. Immer dann, wenn ich brav zurückkomme, wenn man mich ruft. Immer dann, wenn ich mich setze, wenn ich dazu aufgefordert werde. Und immer dann, wenn ich was Gutes mache, das ich gar nicht tun müsste.
Das ist doch nicht dasselbe. Meint Mamayaki. Ich finde schon. Aber besser so, als wenn ich das alles für nichts tun müsste.
Und darum: Mein Social Credit Punkteplan ist prima.
Scherben bringen Glück
Das sagt ihr Menschen so leichthin.
Gut, es stimmt. Bis jetzt brachten sie mir auch Glück. Respektive, ich hatte jeweils Glück. Immer dann nämlich, wenn wir auf dem Spaziergang sind und Mamayaki mich geistesgegenwärtig in eine andere Richtung zieht als von mir geplant.
Die Erklärung folgt auf die Pfote: «Komm da weg, Yaki, hier hat es ganz viele Glasscherben.» Habe ich nicht gesehen, ich ging mehr dem Geruch nach und der war interessant. Aber klar, ich will mir meine Pfoten nicht zerschneiden. Ich trage keine Schuhe.
Mamayaki sieht sie alle. Sie meint, sie hätte bis jetzt Glück gehabt. Und wenn nicht?
Dann schneide ich mich und das tut weh. Mamayaki hat für diesen Fall zwar immer ein Notfallset bei sich. Aber das muss nicht sein.
Also, liebe Menschen, seid doch so nett, und entsorgt eure Glassachen so, dass wir armen Viecher sicher durch die Stadt gehen können.
Danke!
Der Grösste
Die Rede ist von mir.
Eigenlob stinkt? Nö. Mamayaki sagt mir das so oft, dass ich es nun glaube.
Gut, zwischendurch sagt sie dann, ich solle nicht so grossartig tun, der andere Hund sei viel grösser als ich und käme da ziemlich flach raus, wenn ich das, was ich da vorhatte, auch durchgezogen hätte. Hätte! Ich konnte nicht. Mamayaki lässt mich nicht und wahrscheinlich hat sie Recht.
Das mit «der Grösste» bezieht sich sowieso nicht auf meine wirkliche Grösse. Ich weiss, ich bin ein niedlicher, kleiner Wicht. Es geht viel mehr darum, dass ich weiss, was sich gehört.
Haben wir Besuch und sitze da leicht bettelnd vor einem Gast, sagt Mamayaki nur ganz leise und dezent kopf schüttelnd «m?m" (nein). Und ich? Gehe weg auf mein Kissen.
Ist Mamayaki mit mir an der Bushaltestelle und wir warten, setze ich mich ruhig hin. Das braucht mir kein Mensch zu sagen.
Dasselbe gilt, wenn Mamayaki jemanden antrifft und ein paar Worte plaudert. Ich setze mich und warte.
Sind wir im Wald und Mamayaki weiss nicht so Recht, wo jetzt der Weg nachhause langgeht, zeige ich ihn. Unaufgefordert.
Eben, ich bin der Grösste!
Impfvorbereitung
Im Kühlschrank lagert ein kleines Glasfläschchen mit einer Flüssigkeit. Die sei für mich, sagt Mamayaki. Ist weder zum Essen noch zum Trinken, auch nicht zum Spielen, also uninteressant.
Mamayaki sieht das anders. Die Ampulle enthalte den Impfstoff für die Tollwutimpfung. Impfung? Das heisst doch wieder pieksen, habe ich Recht? «Ja», sagt Mamayaki, «leider!»
Im Kühlschrank hat es sonst interessantere Dinge. Das da war mir ein Rätsel. Dieses löste sich am Sonntag. Da nahm Mamayaki die Ampulle aus dem Kühlschrank, legte sie auf eine Amethystdruse, die zuvor in der Sonne gelegen hatte und behandelte nun die Ampulle mit Reiki.
Reiki? Das tönt gut für mich. Das kenne ich und ich liebe es, wenn Mamayaki mir Reiki gibt. Warum sie das nun mit der Ampulle statt mit mir macht? Komisch.
Mamayaki sagt, sie trenne alles Negative in dieser Flüssigkeit, sodass nur noch das Wichtige und Gute für mich übrig bleibe. Ausserdem gäbe sie positive Energie hinein, auf dass es mir nach der Impfung gut gehe.
Na dann. Ich vertraue Mamayaki sowieso. Mit und ohne Energie.
Tollwut
Damit ist nicht zu spassen. Die Behörden schreiben dagegen eine Impfung vor, damit ich reisen darf. Mamayaki findet das gar nicht spassig. Mich müsst ihr schon gar nicht erst fragen.
Impfen bedeutet Tierarzt. Tierarzt heisst, irgendetwas stimmt während oder danach nicht mit mir.
Gestern war es dann soweit. Meine liebe Nachbarin Andrea fuhr Mamayaki und mich zur Tierarztpraxis Anicura in Wangen. Ich weiss natürlich schon lange im Voraus, wo wir hingehen, das kann ich spüren. Mamayaki geht selbst nicht gern zum Arzt und schon gar nicht mit mir. Also weiss ich jeweils Bescheid.
Freiwillig wollte ich hinein, bremste aber, weil da schon ein Hund an der Theke stand. Dann aber machte der Platz. Ich harrte der Dinge, die da auf mich warteten.
Sicher müsste ich wieder auf die Waage – wie immer. Tut nicht weh, stinkt mir aber trotzdem. Mamayaki nimmt mich jede Woche auf den Arm und wiegt mich. Das reicht mir.
Wen sah ich da kommen? Palma! Mamalola! Ohne Lola, aber Palma mag ich auch ohne. Welche Freude. Sie hier!
Bald verschwand sie wieder und ich musste in einen Behandlungsraum, wo ich ganz ruhig und zufrieden wartete.
Als ich den Doc sah, wedelte ich. Ich mag ihn schon auch, er ist nett. Ich mag es nur nicht, wenn er was an mir macht. Wobei weh hat das noch nie getan. Ich habe einfach Angst.
Zuerst warteten ein paar Guetsli auf mich. Das ist nett, aber reine Bestechung. Der Doc hörte dann mein Herzchen ab, das vor Aufregung ganz sicher schneller schlug. Mamayaki hielt mich fest.
Und schon war es vorbei. Den Pieks, den ich bekam, hatte ich noch nicht mal gespürt. Ehrenwort, es tat kein bisschen weh. Wenn doch nur die Angst nicht wäre.
Zuhause schlief ich dann eineinhalb Stunden tief und erschöpft. Mein Immunsystem hatte gerade gewaltig was zu tun.
Der Tag nach der Impfung
Gestern Abend war ich ja für rund eineinhalb Stunden out of order.
Dann habe ich mich gefreut, als Mamayaki das Abendessen für uns kochte, welches ich mit Freude aufass. Es folgte der übliche Verdauungsschlaf.
In der Nacht schlief ich himmlisch. Und heute Morgen wachte ich freudestrahlend auf. Ein neuer, schöner, pieksfreier Tag erwartete mich.
Mamayaki wundert sich ein bisschen. Der Doc hatte sie gewarnt, so eine Tollwutimpfung sei zwar gut verträglich, aber dennoch eine Keule. Es könnte also gut sein, dass ich heute noch ein wenig müde und geschafft, ja sogar etwas apathisch wäre.
Ich? Nö! Mir geht es prima. Keine Schwellung, keine Impfreaktion, nichts.
Mamayaki wollte dann einen kürzeren Spaziergang mit mir machen. Ich fühle mich aber Yakimunter. Also habe ich protestiert und – gewonnen. Klar, es war nicht ein Riesenspaziergang, aber ein ganz gewöhnlicher, wie immer, schon.
Mamayaki ist glücklich. Mir geht es gut. Was will Hund mehr?
Ich bin gesund. Das zählt. Mamayaki findet das auch. Sie meint aber, das sei vor allem deshalb so, weil sie mich und das Medikament zuvor gut behandelt hat. Mag sein. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht.
Mir reicht es, dass das, was Mamayaki mit mir tut, hilft. Dazu braucht es dann noch eine gute Tierarztpraxis, die mitmacht und gut ist.
Und weil das so ist, ist Anicura in Wangen unsere absolute Lieblingstierarztpraxis. Nur nette Leute, die mich und Mamayaki umsorgen und dafür schauen, dass es uns gut geht.
Ich glaub, ich besuch die gelegentlich mal. Einfach so, um mal danke zu sagen.
Aprilwetter
Denen da oben kommt doch immer wieder etwas Neues in den Sinn. Dass sich heute Sonne mit Regen im Dauerstress abwechselten, machte meinen Spaziergang nicht einfach.
Irgendwann heute Nachmittag wollte ich raus. Und weil die Sonne gerade schien, am besten jetzt. Mamayaki war dabei. Dass sie aber ihren Bornholm-Regenmantel anzog, versprach nichts Gutes. Mich liess sie in Ruhe. Mamayaki weiss, dass ich Mäntel nicht sonderlich liebe. Wenn es aber regnet, bestehe selbst ich darauf. Jetzt aber war es gerade mal trocken.
Wenigstens oben. Die Pfoten wurden auf dem nassen Untergrund natürlich trotzdem mit Regen konfrontiert. Soweit so gut.
Dann aber kamen da plötzlich weisse Körner vom Himmel. Die sahen aus wie Schnee, waren auch so kalt wie Schnee. Zusätzlich waren die aber auch noch hart und taten weh. Mamayaki und ich flüchteten Richtung zuhause. Bis wir aber da wären, hätte ich wohl Löcher im Pelz.
Und so tat ich das einzig Richtige. Ich verliess den Weg und stellte mich unter. Gut, es war ein Einfamilienhaus und der Eingang dazu sicher nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Ich sah schon, wie Mamayaki das den Besitzern erklären wollte, falls die es denn mitbekamen.
Was Mamayaki gerade nicht checkte: Ich kenne die Frau, die dort wohnt. Es wäre also kein Problem gewesen.
Ein Supertag
Der Start war schon wunderbar. Es muss was Wunderschönes sein, von dir gekrault zu werden. Das muss es nicht, das ist es. Mamayakis Streicheleinheiten am frühen Morgen sind wunderbar. Danach machte ich anstatt Duschen ein Sonnenbad auf meinem Sessel.
Mamayaki dachte an einen Spaziergang am Kanal entlang nach Dulliken. Sie dachte.
Ich suche bekanntlich die Morgenspaziergänge aus. Meistens jedenfalls. Ab durch den Wald, wie immer, eine Abzweigung rechts und dann genau dorthin, wo die Entscheidung fällt. Da blieb ich stehen.
Mamayaki fragte mich allen Ernstes, wo ich denn durchwollte. Entgeistert schaute ich sie an. Das war doch klar. Nach Dulliken. Ich also nichts wie los und Mamayaki lachte.
Wieso? Sie hatte ja gedacht, sie möchte mal wieder dort durch und ich erfülle ihr diesen Wunsch noch so gern.
Wir trafen Hunde, ich stieg über umgefallene Baumstämme, bewunderte einen Schwan. Es war herrlich. Mit dem Zug fuhren wir zurück nach Olten. Prima. Mag ich.
Die Krönung kam dann: In der Unterführung steuerte Mamayaki doch tatsächlich den Brezelkönig an. Ich traute meinen Augen kaum.
Seit Wochen liege ich ihr damit in den Ohren…, stimmt gar nicht. Ich war ruhig, schaute sie nur etwas bittend und so langsam etwas vorwurfsfall an. Mamayaki versprach es mir. Sie sagte aber auch, dass wir dazu halt am Vormittag einen längeren Spaziergang machen müssten, der dann auch beim Bahnhof vorbei ginge.
Heute war es so weit. Ich hätte es längst in meiner Pfote gehabt.
Meine Namensliste - unvollständig :)
Ich heisse Yaki.
Nein, nicht Yakin.
Nein, nicht Jackie, nein, nicht Yacki.
Meine Mamayaki gibt mir daneben viele andere Namen. Ich versuche mal mich an alle zu erinnern:
Bärli
Schnusligs Tierli
Chäferli
Chlises Schnügeli
Nuschelprinz
Yaki-Schatz
Heugümper
Müsli
Frächdachs
Chline Gnüsser
Schlitzohr
Chline Wicht
De Gröscht
Wauzgi
Wauzgeli
Bäremutzeli
Nuschli
Wuscheli
Yakibärli
Chline Gwaggli
Schatzeböhni
Stinkerli
Fotzelhund
Im Duopack billiger
Nachts bin ich aufgewacht und habe gesehen, dass Mamayaki sich die Augen reibt.
Nicht nur ein bisschen, ein bisschen lange. Das geht gar nicht. Wenn ich das mache, sagt sie mir, ich solle aufhören.
Nun habe ich die Gunst der Stunde genutzt und meine Augen auch gerieben. Nein, ich habe nicht gekratzt, nur gerieben. Sollte Mamayaki jetzt etwas dagegen sagen, dann belle ich ihr was.
Sie sagte nichts. Wortlos stand sie auf, holte Augentropfen, die sie mir und ihr verpasste.
Ich mag Augentropfen nicht so richtig. Aber sie tun gut. Und deshalb bitte ich zuweilen sogar darum, auch wenn ich mich dann ziere. Ist aber auch unangenehm.
Manchmal nimmt Mamayaki die Tropfen in ihre Hand und verteilt sie so über mein Augenlid. Das habe ich lieber und es wirkt auch.
Wir beide leiden unter der gemeinen Hasel. Gemein ist die wirklich. Uns so zu plagen. Gemein eben und deshalb so richtig fies.
Wir brauchen also Augentropfen en masse. Da reicht eine Doppelpackung schon gar nicht. Und billiger wird es auch nicht.
Mamayaki sagt, sie teile gern mit mir. Die Allergie würde sie allerdings lieber für sich behalten, da bräuchte ich nicht mitzumachen.
Frag mich mal!