Januar 2024
- An die Leine
- Ganz Gentleman-Like
- Kein weisser Rauch
- Martin Rütter
- Regen
- Rufus zieht weg
An die Leine
Nein, das hat nicht Mamayaki gesagt. Sie liess mich heute im Wald freilaufen. Aber es stürmt, es windet, es ist furchtbar. Ständig höre ich fremde, laute Geräusche, die bedrohlich näherkommen. Dauernd rieche ich neue Düfte. Unablässig bewegen sich Dinge auf mich zu und von mir weg. Kurz, es ist ziemlich anstrengend.
Und weil das so ist und ich nicht noch auf Mamayaki aufpassen kann, weil ich ständig in Alarmbereitschaft bin, habe ich mich neben Mamayaki gestellt, sie bittend angeschaut und sie hat verstanden. Ich wollte sie an die Leine nehmen.
Damit war die Welt wieder in Ordnung. Ich kann nur so auf Mamayaki aufpassen.
Wenn da rundherum tosendes Gedröhne von Wind und Wipfeln der Tannen rauschen, dann muss ich sicher sein, dass Mamayaki bei mir ist. Ich will sie nicht verlieren. Wenn sie da frei herumläuft, traue ich dem Frieden nicht. Und darum:
An die Leine!
Ganz Genleman-like
Unsere Mittagsschläfchen im Dachstock sind wunderbare Programmpunkte eines schönen Tages. Heute war es wieder mal soweit, dass ich die Initiative ergriff und zeigte, dass ich gern mit Mamayaki rauf aufs Sofa mochte.
Mamayaki wollte eigentlich erst später, gab dann aber nach, weil sie meinem treuherzigen Blick nicht widerstehen konnte. Ausserdem war es auch egal ob jetzt oder später.
Schnell ging ich voraus. Meistens warte ich nach der obersten Treppe, bis Mamayaki sich aufs Sofa gelegt hat. Dann springe ich am Fussende ebenfalls hoch und kuschle mich wohlig ein.
Manchmal allerdings bin ich schneller – das wäre ich immer, lass es aber sein. Wenn aber doch, dann lege ich mich am Fussende mittig so hin, dass Mamayaki sich zwar hinlegen kann, aber ganz schön zirkeln muss, dass sie ihre Beine rund um mich legen kann. Das finde ich manchmal lustig. Bequem ist es dann aber weder für sie noch für mich so ganz richtig.
Heute hüpfte ich schnell aufs Sofa. Mamayaki grinste und meinte: «Soso, bist du schon da!». Gut erkannt.
Und was tat ich? Ich hüpfte ganz schnell runter und bat Mamayaki den Platz an. Mamayaki war kurz überwältigt über so viel Nettigkeit. Als Mamayaki dann lag, war ich blitzschnell wieder bei ihr.
Es war eine himmlische halbe Stunde. Vielleicht auch eine Ganze.
Kein weisser Rauch
Aber auch kein schwarzer.
Bereits am 4. Januar hatten wir uns Königskuchen geteilt. Wobei teilen nicht ganz richtig ist. Mamayaki sagt dann, welche Kugel mir und welche ihr ist. Essen darf ich von beiden Kugeln ein paar Bissen. Selbstverständlich ohne Rosinen, denn die sind für mich tabu, weil giftig. Dafür immer mit ein bisschen Butter. Mmmhh, lecker!
Die beiden Kugeln enthielten jedoch keinen König, also kein weisser Rauch. Ach ja, das ist ja nur bei den Papstwahlen so, nicht bei Krönungen.
Heute am 6. Januar fand dann der zweite Versuch statt. Nächste zwei Kugeln. Aber wieder nichts.
Am Montag kommen dann die Letzten dran. Mal schauen, wer dieses Mal die Krone bekommt. Die ist mir ja eigentlich völlig schnurz. Genauso, ob Mamayaki Königin wird. Ich gönne es ihr. Falls.
Denn mir spielt es absolut keine Rolle, wer unter mir Königin ist.
Martin Rütter
Der Hundeflüsterer schlechthin.
Mamayaki schaut sich manchmal seine Sendungen an. Das ist mir soweit egal. Soll sie. Ist ja auch interessant, was die Hunde so alles anstellen, nur um ein bisschen Aufmerksamkeit der Frauchen und Herrchen zu ergattern.
Nun, ich habe kein Frauchen und auch kein Herrchen. Ich habe Mamayaki. Zum Glück.
Ein Tipp von Martin Rütter ist meist der, dass die Hunde nur noch aus dem Futterbeutel ihr Futter kriegen. Also der könnte mich mal! Echt jetzt! Ich mag Leckerlis aus dem Futterbeutel. Keine Frage. Aber mein Essen? Niemals!
Ich liebe das gemeinsame Frühstücken mit Mamayaki. Da bekomme ich nebst meiner Mini-Portion Hundefutter nämlich auch immer noch ein paar Bröckchen Brot mit Butter und etwas Käse.
Einmal die Woche gibt es Rauchlachs – auch für mich.
Oder Birchermüesli.
Oder Spiegelei, respektive Rührei mit oder ohne Schinken.
Die letzten drei Sachen gibt es dann völlig ohne Hundefutter. Es sind die besten Tage, ich sag es euch.
Und der liebe Martin soll mir jetzt ja nicht sagen, Mamayaki könne mir das Spiegelei ja aus dem Futterbeutel servieren. Ja, geht es denn noch?
Abends dasselbe. Hier diniere ich gemeinsam mit Mamayaki. Ich mit meiner Portion Fleisch. Dazu immer viel Gemüse und irgendeine weitere Beilage. Ich liebe es. Aber aus dem Futterbeutel? Das ist doch Schwachsinn.
Aber ja, zum Glück habe ich solche Methoden nicht nötig. Ich bin ein braver Hund.
Meistens.
Regen
Mamayaki zieht die Regenhose an, dazu ihren Bornholm-Mantel. Mir schwant übles.
Das etwas schadenfrohe Grinsen beim Anblick meines Gesichts, bestätigt mich. Draussen regnet es.
Ich halte mich still. Vielleicht vergisst mich Mamayaki ja auch und geht allein hinaus. Ja, ja, ich weiss, reines Wunschdenken. Erstens ginge sie freiwillig auch nicht raus, sie geht nur, weil ich raus muss. Zweitens würde sie mich nie und nimmer je irgendwo oder irgendwann vergessen.
Über Letzteres bin ich froh. Nur gerade jetzt nicht.
Und es kommt, wie es kommen musste. Mamayaki zieht mir das Halsband an, dann ruft sie mich zu sich. Natürlich gehe ich mit.
Eine nasse, kühle Runde erwartet mich, die ich aber geschickt abkürze, worüber auch Mamayaki ziemlich froh ist.
Ihr seht, wir verstehen uns.
Rufus zieht weg
Es ist zum Jaulen. Da habe ich endlich einen lustigen kleinen Freund gefunden, der mit mir im Wald rumtobt und jetzt zieht der einfach so weg.
Gut, ich habe den jetzt nicht sehr häufig getroffen, aber wenn, war das jeweils einfach spassig.
Mamayaki blieb bei unserem allerersten Treffen fast das Herz stehen, denn eigentlich passt der Hund in mein Beuteschema. Im Sinn von, den kläffe ich an und zeige ihm, wer hier der Boss ist. Nämlich ich.
Mamayaki geht Ärger bestmöglich aus dem Weg. Aber hier war das nicht möglich, weil der Hund nicht angeleint war und voll auf mich zustürmte.
Aber siehe da, ich freute mich, den kennenzulernen. Rufus ist mega nett.
Mamayaki verstand und versteht es bis heute nicht, warum er und alle anderen, derselben Rasse gar nicht. Gut, er ist nicht reinrassig und das passt mir.
Und ist die Antwort auf Mamayakis Frage.