April 2024
- Anpfiff
- Barua ist tot
- So war das nicht gemeint
- Das Nötigste
- Exklusive Badefreude
- Interessante Rasse
- Leinenpficht
Der Anpfiff
Ich spreche nicht vom Fussball.
Auf dem Spaziergang durch eine Landwirtschaftszone mit erklärter Hundekotaufnahmepflicht, kam uns eine Frau mit Hund entgegen. Die Frau war allerdings schwer beschäftigt. Sie hielt ein Handy in der einen Hand, auf welches sie unablässig starrte und die Ausrollleine in der anderen.
Der Hund ging ins hohe Gras. Uns nahm die Frau nicht zur Kenntnis. Da wir sie aber passieren mussten, machte Mamayaki auf uns aufmerksam, indem sie zu mir sprach. Etwas lauter als sonst. Der Hund blieb tatsächlich fern, denn er war gerade damit beschäftigt, etwas im Gras zu hinterlassen.
Mamayaki nahm aus dem Beutelspender neue Säckchen und legte sie, langsamer als sonst, zusammen. Dabei beobachtete sie Frau und Hund.
Es kam, wie es Mamayaki vorausgesehen hatte. Die Frau ging zwar ein paar Schritte ins hohe Gras, schaute auch alibimässig ein bisschen hinein und kehrte dann prompt auf den Weg um.
«Hallo!» rief Mamayaki. «Und wie wäre es mit aufnehmen?» Mamayaki zeigte auf den Platz des Geschehens. «Ich sehe nichts.», war die lapidare Antwort der Frau. Worauf ihr beschieden wurde, sie müsse halt richtig schauen. So gehe es jedenfalls nicht.
Genutzt hat es selbstredend nichts.
Mamayaki sagt, dass es uns nichts angeht, dass sie aber die Bauern sehr wohl versteht, wenn die sich über uns Hunde und deren Halter ärgern. Wenn sich die Leute so benehmen, ja. Wir machen es aber richtig. Im Fall.
Barua ist tot
Die alte Dame ging Mitte März über die legendäre Regenbogenbrücke. So sagt ihr Menschen dem so schön, wenn wir Hunde sterben.
Barua war ein grosser, schöner Hund. Alt und Respekt einflössend. Wenigstens ich respektierte sie vollkommen. Sie war auch ganz lieb. Trotzdem hielt ich immer genügend Abstand. Nun ist sie also gestorben.
Der Unterhaltung zwischen dem Frauchen von Barua und meiner Mamayaki hörte ich gespannt zu. Und bin da ziemlich erschrocken. Natürlich war es so, wie es immer ist, in solchen Situationen.
Barua ging es an einem Samstag teilweise nicht wirklich gut. Aber nicht so, dass man notfallmässig hätte reagieren müssen. Trotzdem sprach Baruas Frauchen auf die Handy-Combox des Tierarztes, um zumindest kundzutun, dass sie gerade sehr unsicher wäre, was zu tun sei. Die Handynummer hatte der Tierarzt der Frau gegeben, falls dann eben wirklich mal was sein sollte. Nun, eine Antwort kam dann leider keine. Einen Notfalldienst gibt es in der Praxis leider auch nicht.
Also muss Frau und Hund in einer solchen, eh schon äusserst schwierigen, Situation in eine grosse Tierklinik mit Notfalldienst.
Die Nacht war grauenhaft, aber sie überstanden sie gemeinsam. Um acht wurde telefoniert. Man hätte dann um ein Uhr nachmittags Zeit, wurde beschieden. Bis dahin vergingen Stunden voller physischem Schmerz für den Hund, vom psychischen für Hund und Frauchen mal ganz abgesehen.
Nach einem Ultraschall wurde Barua dann endlich erlöst. Welch trauriges Ende!
Mamayaki erinnert sich gut, dass auch sie eine sehr ähnliche Situation am Ende des Hundelebens von Kathy erlebt hat. Noch heute denkt sie mit viel Schmerz daran zurück.
Warum um alles in der Welt ist es nicht möglich, das anders zu organisieren? Es kann doch nicht sein, dass ein Hund nur während Wochentagen zu Bürozeiten Hilfe erfährt.
Ich hoffe, ich lebe noch ganz lang. Und wenn es dann soweit ist, dass dann alles anders ist. Ich drücke mir und Mamayaki beide Pfoten dafür.
So war das nicht gemeint
Erinnert ihr euch noch an meine Google-Rezension zur Eröffnung der Tierarztpraxis CareVet? Da schrieb ich, dass ich dort jederzeit gern wieder hin ginge.
Ja, stimmt. Zum Schnüffeln, ein paar feine Leckerlis und Streicheleinheiten abzuholen und vielleicht noch meine Freundin Lola zu treffen. That’s it.
Was ich damit aber ganz sicher nicht gemeint habe ist Folgendes:
Mittwochmorgen. Mamayaki steht früh auf, macht mit mir ebenso früh einen Spaziergang. Okay, nicht wirklich meins, ich bin Langschläfer. Aber was soll’s? Ich begegne einem Hund und benehme mich vorbildlich. Mamayaki macht keine Anstalten, mir ein Leckerli zu geben. Ich schaue sie treuherzig an, erinnere sie sanft daran, wie das geht, aber sie sagt schlicht «nein». Dazu noch es täte ihr leid. Ganz fest. Sie dürfe nicht. Und dabei bleibt es. Kein einziges Leckerli für mich.
Schon bald nach dem Nachhausekommen geht es wieder los. Ich freue mich, denn das kann nur besser werden. Wir steigen ins Auto und ich frage mich, ob es jetzt wohl in die Ferien geht? Kann nicht sein, es sind keine Koffer dabei. Sonst ein Ausflug?
Pustekuchen. Ausflug in die Tierarztpraxis. Gut, da gehe ich gern rein, denn dann gibt es wenigstens dort endlich ein Leckerli. Liebevoll werden wir von Julia Marti begrüsst, dann wird mein Herzchen abgehört, das nun viel zu schnell schlägt. Denn da stimmt was nicht. Und kein Leckerli. Dafür darf ich jetzt auf Mamayakis Schoss sitzen und bekomme prompt eine Spritze in meinen Hintern. Ich werde unendlich müde und schlafe friedlich in Mamayakis Armen ein.
Als ich wieder aufwache, ist Mamayaki weg. Dafür sind hier alle sehr lieb zu mir. Viel bekomme ich aber nicht mit, ich bin irgendwie ganz belämmert.
Mamayaki kommt mich später abholen. Ich freue mich. Ich freue mich aber auch, als Johannes Kaufmann, mein Tierarzt kommt. Da wedle ich sogar.
Ich wurde operiert, heisst es. Wieder mal hatte ich so einen kleinen Knoten, der entfernt werden musste. Blöd so was. Und es tut auch weh.
Was Mamayaki daraus gelernt hat? Sie lässt mich nie wieder impfen, denn darauf reagiere ich allergisch und bilde Knoten mit Nekrosen. Also lassen wir das lieber.
Was ich daraus gelernt habe? Pass auf, was du dir wünschst. Ich hoffe, ich habe jetzt richtig gewünscht: Ich gehe gern als gesunder Hund in die Tierarztpraxis und hole dort gern Leckerlis, Streicheinheiten und Lola ab. Ist das klar soweit?
Das Nötigste
Frisch operiert dürfe ich nur gerade zum Nötigsten raus. Nicht mehr. Ich müsse stets an der Leine sein, dürfe nicht mit anderen Hunden spielen und die Spaziergänge müssten sich aufs Nötigste beschränken. Ab Tag 5, können wir dann langsam steigern. Soweit die Theorie.
Nach der OP war ich so belämmert, dass mich eh nichts interessierte. Raus wollte ich aber schon. Also ging Mamayaki mit mir vors Haus die Strasse runter bis zum Wieschen. Das lief ich problemlos. Allerdings lieferte ich kein Bisi. Ich wäre gern weiter gegangen, aber man kehrte um.
Das Prozedere wurde dann stündlich wiederholt, weil ich darauf drängte und Mamayaki dachte, ich müsste ja sicher auch mal. Schon. Aber ich konnte nicht. Versuch du mal auf einem Bein zu pinkeln, wenn du stockbesoffen bist. Eben.
Ich war eine Lachnummer. Mamayaki lachte mich tatsächlich aus, als ich einmal mehr beim Versuch umkippte. Sie sagt zwar, sie lache mich nicht wirklich aus. Es täte ihr ja auch leid, aber es sehe einfach zu komisch aus. Mir egal. Ich kann das bald wieder.
Was ich am frühen Abend dann auch bewies.
Am nächsten Tag wäre ich bereit für eine ordentliche Runde gewesen. Aber nein, Mamayaki ging mit mir bis zur Wiese. So nicht. Ich zeigte klar und deutlich, dass mir das definitiv zu wenig war. «Also gut. Aber dann nur gerade hier einmal um das erste Häuserviertel. Mehr gibt es nicht. Du weisst, wir dürfen nur das Nötigste.»
Klar. Aber was ist das Nötigste? Für mich wäre es nötig, spazieren zu gehen, und zwar richtig. Gut, die Wunde tut noch ein bisschen weh. Aber vor allem, wenn wir zuhause sind. Unterwegs spüre ich nichts. Das war beim letzten Mal ganz anders. Da habe ich selbst gemerkt, dass es jetzt Zeit zur Umkehr war. Jetzt? Brauche ich die strenge Anleitung von Mamayaki.
Am Nachmittag dann ging Mamayaki mit mir in den Wald. Dort bog sie beim erst möglichen Weg bereits wieder links ab. So ein Mist. Schön war es schon. Aber eben nur für das Nötigste.
Am Freitag hatte Mamayaki bereits ein wenig mehr Einsehen, also gingen wir einen Querweg weiter. Am Nachmittag wollte ich Richtung Mühlethal. Was wir auch taten. Aber natürlich kehrten wir viel früher wieder um als gewöhnlich. Weil es aber heiss war, merkte ich, dass ich dieses Mal sogar froh darüber war.
Es wird besser. Sicher. Aber ganz ehrlich: Das Nötigste ist für mich eine völlig andere Masseinheit als für euch Menschen.
Exklusive Badefreude
Am Samstag wurden Mamayaki und ich zu Aaron nachhause zu einem kleinen Schwatz eingeladen. Es war wunderbares, fast schon sommerliches Wetter. Weil wir zuvor schon einige Zeit unterwegs gewesen sind, hatte ich schon ein bisschen warm und freute mich über das Angebot aus dem Trinkwassernapf von Aaron auch einen Schluck trinken zu dürfen.
Die Freude war sowieso riesig, denn Aaron ist einer meiner besten Freunde und ich freue mich immer, ihn zu sehen. Wir tollen dann immer ein wenig herum. Heute nach der Begrüssung hatte ich jedoch anderes im Sinn.
«Schau mal, wie dein Hund schwimmen kann!», hörte Mamayaki. Schnell drehte sie sich um und sah gerade noch, wie ich die letzten Meter gegen Land geschwommen kam.
Seid ihr schon mal in einem Biotop mit Goldfischen geschwommen? Ich schon. Heute. Zum ersten Mal. Eine exklusive Badefreude eben.
Interessante Rasse
Zufrieden ging ich meines Weges, als ich plötzlich einen ganz besonderen Hund sah. Er war klein, viel kleiner als ich. Er bellte, aber ich verstand kein Wort. Wahrscheinlich kam er aus irgendeinem Land, das ich nicht kenne – wobei eigentlich verstehen wir Hunde uns in jeder Sprache. Wie auch immer, hier nicht.
Ein kleines Mädchen hielt ihn an der Leine. Als der Hund auf mich zukam, merkte ich, dass dieser ziemlich steif unterwegs war. Herzig fand ich ihn aber schon.
Mamayaki liess mich zu ihm, denn ich war nicht auf Krawall aus. Allerdings auch nicht mega erfreut. Der Hund interessierte mich einfach. Also ging ich los zum Schnuppern. Das kleine Hundefrauchen wurde von Mamayaki beruhigt, dass ich ihrem kleinen Hündchen ganz sicher nichts tue. Woher sie das nun wieder wusste?
Der Hund roch nicht nach Hund, reagierte nicht wirklich auf mich und ich schaute Mamayaki fragend an. Was war das?
Ein Plüschhund, wurde mir erklärt. Sachen gibt’s!
Mamayaki findet die Idee ganz gut. Es soll Leute geben, die ihren Kindern einen richtigen Hund schenken. Das findet Mamayaki Quatsch, denn zu einem Hund kann kein Kind ganz allein und gut schauen. Und ein Hund ist kein Spielzeug, das man dann irgendwann wieder weglegen kann, wenn man nicht mehr damit spielen mag.
So gesehen ist die Idee gut. Aber ehrlich, ich fühlte mich so richtig verarscht.
Leinenpflicht
Nun ist es also wieder soweit. Mamayaki muss an die Leine. Wenigstens im Wald. Es heisst, wegen der Jungtiere, die gerade geboren wurden und jetzt natürlich geschützt werden müssen. Das ist völlig richtig so. Allerdings weiss ich, dass Mamayaki diesen Tierchen nichts täte. Ganz im Gegenteil.
Es ist wie es ist. Leine ist Pflicht und so muss ich halt jetzt immer schauen, dass ich nicht zu schnell laufe. Sonst kommt Mamayaki wieder nicht hinterher. Oder auch zu langes schnuppern ist derzeit eher anstrengend für uns, weil sie dann so lange auf mich warten muss und ich nie eine Nachricht allein lesen kann.
Damit Mamayaki wenigstens ein wenig Bewegungsfreiheit hat, habe ich die längste Leine gewählt, die wir haben. Ich finde die gut. Mamayaki sagt, sie sei ständig am Auf- und Abwickeln, aber sie mache es gern für mich. Da bin ich froh, denn das kann ich leider nicht für sie übernehmen.
Doof ist, dass ich auch nicht mehr mit anderen Hunden spielen kann. Für Mamayaki gibt es hier keine Einschränkung. Sie darf auch an der Leine mit ihren Menschenfreunden sprechen. Gut, wir Hunde können uns wenigstens an der Leine kurz begrüssen. Ein Ersatz für richtiges Rumtollen ist das aber nicht.
Ich hätte da so eine Idee. Wir könnten uns im Hundeteam ja abwechseln und immer einer von uns nimmt alle Menschen an die Leine. Dann könnten wir anderen uns wenigstens kurz unseren Lieblingsbeschäftigungen widmen.
Mamayaki schüttelt den Kopf. Ich hätte da was falsch verstanden. Die Leinenpflicht wäre nicht für Menschen, sondern für Hunde.
Aha. Ändert aber im Grunde rein gar nichts.