Dezember 2023
- Panikmache
- Nach dem panischen Tag
- Sonnenstube Dachstock
Panikmache
Dieses Eis und die matschigen kalten Schneehügel nerven. Ich bin klein und diese Hügel machen meinen Bauch kalt. Ausweichen kann ich nicht immer. Ich bin ein armer Hund.
Im Wald ist es einigermassen gut für mich. Klar, es gibt auch dort jede Menge Schnee, aber so, dass er für mich erträglich ist. Ich laufe schnell, denn nur so halte ich mich warm. Mamayaki schleicht in der Gegend rum und das ist alles andere als schön. Sie hat halt Angst, zu rutschen. Verstehe ich, ich mag das auch nicht. Und ich habe immerhin vier Pfoten auf dem Boden – sie nur zwei.
Gestern war dann plötzlich eine Bewegung, die ich von der Seite wahrnahm. Was war das? Ich blieb stehen und schaute gespannt. Mamayaki meinte, das wären sicher Eichhörnchen und die jagten wir nicht. Ich solle einfach brav bei ihr bleiben.
Das waren aber keine Eichhörnchen, das war was Grosses. Und ich wusste nicht, was es war, und es machte mir Angst. Ich lief ein paar Schritte, blieb wie eingefroren stehen, nur um dann wieder ein paar Schritte weiter zu springen. Mamayaki rief mich zu sich, aber das hörte ich nur am Rande und es interessierte mich gerade gar nicht.
Ich begann zu bellen und lief nun in Richtung des Weges, der hinunter zur Kantonsschule führt. Dieses Etwas dort im Wald war gross und düster und hatte jede Menge raschelndes Zeug bei sich. Hilfe, nur weg hier! Ich rannte, was das Zeug hielt. Zwischendurch blieb ich ängstlich stehen, um zu kontrollieren, ob das Etwas noch dort war oder schon hinter mir. Dann ging es weiter.
Erst bei der Einfahrt zum Parkhaus der Kantonsschule blieb ich stehen. Da hörte ich Mamayaki rufen. Ohjeh, die hatte ich total vergessen. Aber die konnte jetzt echt nicht erwarten, dass ich nochmals in die Nähe dieses Unwesens käme.
Also rannte ich wohl zurück, nahm aber den äusseren Weg, der mich aber dummerweise auch wieder in die Nähe des Monsters geführt hätte. Zum Glück rief mich Mamayaki nochmals und sie kam mir entgegen, sodass ich auf dem gleichen Weg umkehren konnte und so trafen wir uns.
War ich froh, sie zu sehen! Und Mamayaki mich erst. Das war mein schrecklichster Spaziergang ever! Glücklich gingen wir nachhause. Zuhause blieb ich dann ganz oft bei Mamayaki. Ich brauchte ihre Nähe. Hätte ich schon früher haben können, aber daran dachte ich leider nicht.
Mamayaki hat das Wort
Es war der schrecklichste Spaziergang ever. Da gebe ich meinem kleinen Wuschel Recht.
Ich hatte immer das Gefühl, wir hätten eine tiefe und gute Bindung. Gestern kam dieses Gefühl arg ins Wanken. Yaki war im Panikmodus und in diesem hörte und sah er mich nicht mehr. Und somit war er weg.
Ich litt Höllenqualen – was da alles hätte passieren können.
Ich habe daraus gelernt. Auch wenn die Situation für mich nicht dramatisch aussieht – für Yaki tut sie das. Also muss ich gleich in diesem Moment reagieren und Yaki anleinen. Ein paar Sekunden später reichte schon nicht mehr, denn da rannte er auch vor mir weg. Einzig das Signal Stopp brachte den kleinen Wicht sehr viel später endlich dazu, anzuhalten und zurückzukommen.
Ich glaube, ich schaffe wieder einen Tracker an...
Nach dem panischen Tag
Da es heute endlich weniger Eis hatte, konnten wir wieder direkt in den Wald. Das war schön. Auch das Gehen fiel Mamayaki und mir wieder deutlich einfacher.
Allerdings waren wieder viele Leute im Wald, denn die Forstarbeiter sind immer noch an der Arbeit. Also musste ich an der Leine laufen, was mir aber irgendwie ganz Recht war.
Später durfte ich freilaufen. Ich war aber ziemlich angespannt, denn ich erinnerte mich wieder an den gestrigen Tag und schaute auch stets in diese Richtung, wo gestern eine verhüllte Frau mit vielen Taschen Tannenzweige gesammelt hatte.
Mamayaki rief mich deshalb sofort zurück, als sie meine Blicke wahrnahm. Ich schaute Mamayaki kurz an, schaute zurück in den Wald und kam dann doch zu ihr.
Nach dem Anleinen war ich deutlich entspannter. Irgendwie fühlte ich mich an der Leine sicherer.
Die Monsterfrau haben wir nicht angetroffen, aber ich war ganz vorsichtig und habe alles genauestens beobachtet. Mamayaki sagte, es wäre alles in Ordnung, es wäre doch nur eine Frau gewesen.
Nur! Sie kann leicht reden, sie hat das echte Monster ja gar nicht gesehen.
Sonnenstube Dachstock
Ich mag die Sonne. Diese scheint relativ selten die Tage und freue mich über jeden Sonnenstrahl.
Am Nachmittag gehen Mamayaki und ich oft rauf in den Dachstock, um dort ein Mittagsschläfchen zu machen. Dort scheint die Sonne dann durch das schräge Fenster und lockt mich in ihre Nähe. Leider scheint sie so hoch, dass ich nicht rauf komme. Es sei denn ich steige auf den Sekretär. Der ist aber dann wieder zu hoch und gut rauf komme ich auch nicht.
Also half mir Mamayaki. Sie stellte einen Stuhl hin, dann öffnete sie den Sekretär, überprüfte, ob die Platte mein Fliegengewicht aushielte und legte ein Kissen drauf. Dann half sie mir zuerst mal auf den Stuhl – konnte ich natürlich sofort selbst – und dann auf den Sekretär, wo ich mich wohlig ausstreckte.
So ein Sonnenbad im Winter ist wohltuend und schön. Nachmachen erlaubt. Nur nicht auf meinem Sekretär.