August 2023
- Chötzle
- Der Regenschirm
- Ich verzichte
- Trötzle
Chötzle
Autofahren kann ich gut. Ich lege mich für die lange Reise von und nach Friesland ruhig hinten hin und döse.
Zwischendurch gibt es eine Pause. Die nutze ich für all das, was die Menschen auch so tun. Ich bin aber froh, wenn ich wieder einsteigen kann, denn meistens sind die Rastplätze nicht so mein Ding. Es riecht überall ein wenig streng und ich muss dann immer einen Platz suchen, wo ich mich einigermassen wohl fühle.
Kurz und gut, ich liebe das Autofahren nicht wirklich, aber ich kann es und habe auch nichts dagegen einzuwenden. Ausser wir fahren über Land. Dann wenn es Umleitungen gibt. Kurven sind nicht meins. Anfahren und bremsen auch nicht.
Auf der Heimfahrt merkte Mamayaki schon, dass es mir etwas unwohl war. Aber ich ertrug das stoisch. Als ich allerdings aus dem Auto aussteigen durfte, hatte ich nur eines im Sinn: Chötzle.
Das mache ich sicher nicht im Auto. Ich kann warten. Mamayaki findet das schon auch gut, sagt aber, dass sie mir zukünftig etwas gegen meine Reisekrankheit geben wird. Das sei ja kein Zustand, dass ich leiden müsse. Mir auch Recht.
Mir war nämlich gerade mehrfach schlecht und so erbrach ich mich mitten auf dem «Schiffsteg», der zum Haus führt. Unschön. Nicht für Mamayaki, die putzte das stoisch weg und tröstete mich.
Dann wollte Mamayaki – wie immer nach einer langen Fahrt – mit mir spazieren gehen. Wunderbar. Aber! Jawohl aber! Ich musste dazu über diesen «Schiffsteg». Mamayaki hatte wohl alles schnell weggeputzt und mit etwas Wasser aus der Giesskanne weggespült. Dies reichte mir jedoch keineswegs.
Und so kam es, dass ich mich zierte und auswich, so gut es ging. Dasselbe beim Nachhausekommen. Und vor dem Abendspaziergang. Und beim Nachhausekommen.
Dann hatte Mamayaki genug von meinem Zickenalarm. Endlich nahm sie den Schlauch und spitzte den ganzen Vorplatz damit gründlich ab. Nun musste es nur noch trocknen.
Ab da war meine kleine Welt dann wieder völlig in Ordnung.
Der Regenschirm
Wieder einmal regnete es. In Strömen.
Mein Lieblingsnachbar Markus kam gerade nachhause und flüchtete ins Haus. Was war das denn jetzt? Er sollte mich doch begrüssen und mich kraulen und mir ein Leckerli geben und überhaupt.
Etwas beleidigt und traurig schaute ich Mamayaki an. Diese hatte aber schon begriffen, dass Markus nur schnell hinein ging und schon wieder auf dem Weg zu mir war. Super!!
Er kam mit einem offenen Regenschirm über die Strasse. In der Hand das geliebte Leckerli. Dann stand er am Törchen. Und wartete. Worauf bitte? Er meinte ja jetzt nicht im Ernst, dass ich bei diesem elenden Wetter auch nur eine Pfote raus ins Nass stellte? Doch, tat er. Aber nicht mit mir.
Dann warf er mir nach einigen Belehrungen das Leckerli zu. Leider kam es nicht zu mir, sondern blieb mitten auf dem Weg liegen. Nein, ich holte es nicht. So gut kann kein Leckerli der Welt sein, dass ich in den Regen gehe.
Ganz ehrlich verstand ich auch die Logik nicht. Er hatte einen Regenschirm! Wo bitte wäre jetzt das Problem gewesen, das Leckerli zu mir zu bringen? An unserem Tor steht nichts davon, dass man nicht eintreten dürfe. Im Gegenteil, wir mögen Besuche.
Nach langer Zeit – endlich – bemühte sich dann mein lieber Nachbar doch noch, reinzukommen und mir das Leckerli zu geben. Na also. Geht doch.
Ich verzichte
Meine Waldspaziergänge liebe ich. Da darf ich jetzt wieder frei umherlaufen. Wenigstens meistens. Ausser es kommt eine Joggerin, ein anderer Hund, den ich weder kenne, noch mag, Spaziergänger oder was auch sonst so in die Quere kommt.
Zwischendurch aber möchte ich einen Stadtspaziergang. Heute war wieder so ein Tag. Selbstverständlich gibt es da auch genügend Bäume. Ich durfte heute sogar in der Aare baden. Herrlich erfrischend, sag ich euch. Viele Leute, viele Gerüche, viele Botschaften. Es lief was.
Und dann verzichte ich. Aufs freilaufen. Es kann auch an der Leine schön sein.
Trötzle
Ich bin ein folgsamer Hund und tue meistens alles, was Mamayaki sagt. Viel ist es sowieso nicht, denn ich mache vieles ganz einfach ungefragt.
Wenn ich mir aber in den Kopf gesetzt habe, dass ich etwas will, dann will ich das auch. Und dafür kämpfe ich. Vier Pfoten rammen sich in den Boden und lassen sich nicht weiterbewegen. Will ich nach Norden, dann muss Mamayaki nicht nach Süden.
Mein Gesichtsausdruck spricht Bände. Ich trötzle.
Allerdings nur kurz. Mamayaki bleibt dann einfach stehen und wartet einen Moment. Damit beruhige ich mich wieder und gehe dann halt trotzdem nach Süden. Ist dort ja auch nett.