Juli 2023

  • AIS für Hunde
  • Die Sonne nervt
  • Feriengast - Sehnlich erwartete Ankunft
  • Feriengast - Erster gemeinsamer Spaziergang
  • Feriengast - Unser erster Streit
  • Feriengast - Unfreundliches Übernahmeangebot
  • Feriengast - Mamayaki spricht ein Machtwort
  • Feriengast - Zmorge
  • Feriengast - Mittagsschlaf
  • Feriengast - Kleine freundschaftliche Gesten
  • Feriengast - Klartext
  • Feriengast - Endlich können wir raus
  • Feriengast - Abendessen
  • Feriengast - Zeit fürs Bett
  • Feriengast - Ein neuer Tag
  • Inkonsequent
  • Irrtum
  • Schneckentempo
  • Variationen 
  • Wilerhof

AIS für Hunde

 

Eine Zeit lang hatte Mamayaki einen Tracker für mich – falls ich abhauen würde. Logisch, dass sie den nicht brauchte und ich schon gar nicht. Ich wollte und will nicht verschwinden. Mir gefällt es äusserst gut hier. 

Dann hat Mamayaki mal gemeint, es wäre praktisch, wenn wir Hunde mit einem AIS (Automatic Identification System) ausgerüstet wären. Also so wie die Schiffe. Ich kann das nachvollziehen und fände das auch praktisch. 

Wir würden dann nämlich immer sehen, wer aus welcher Richtung kommt, ob gross oder klein, ob Freund oder Feind. Wir könnten ausrechnen, ob wir uns zu nahekämen oder weit genug auseinander wären. Wir könnten Freunde treffen, ohne den ganzen Wald nach ihnen abzusuchen. Wir könnten Ärger aus dem Weg gehen und freudvolle Begegnungen ein bisschen steuern. 

AIS hat was. 

Die Sonne nervt

 

 Wirklich. Ich habe es so ziemlich satt. Da möchte ich draussen ein wenig Sonne tanken. Fehlanzeige, die Sonne scheint nicht. 

Die Mittagsschläfchen mit Mamayaki auf dem Sofa sind Programm und ich liebe sie. Mamayaki sowieso, aber die Mittagsschläfchen insbesondere. Wenn die Sonne dann herrlich auf den warmen Holzboden scheint, dann verziehe ich mich dahin.
 

Als wir raufkamen, schien die Sonne nicht. Ich also aufs Sofa. Kaum hingelegt, beliebte die Sonne hervorzulugen. Ich hechtete mit einem Sprung runter und ab auf den Sonnenfleck. Dieser hielt gerade mal ein paar Sekunden, nur um dann wieder undankbaren Schatten zu spenden. Ich also wieder zurück aufs Sofa. 

Kaum dort kam die Sonne wieder. Ich also wieder runter. Als ich wohlig in der Sonne lag, fand diese, sie hätte jetzt keine Lust mehr zum Scheinen. 

Was für ein Juli! Sonnenarm und regnerisch. Das braucht kein Hund. 

Feriengast - Sehnlich erwartete Ankunft

 

Schon gestern Abend hat mir Mamayaki erzählt, dass Lola zu uns käme. Schön. Und wo war sie? Zuhause. Schon klar. 

Heute Morgen, als Mamayaki ins Bad ging, blieb ich nur kurz liegen und ging dann schon mal ins Erdgeschoss. Voller Vorfreude. Das mache ich sonst fast nie – ausser eben, wenn etwas Besonderes los ist. Und das war heute der Fall.

Um kurz vor acht hörte ich draussen etwas und bat Mamayaki Schwanz wedelnd, völlig aufgeregt und voller Spannung, doch bitte die Türe zu öffnen. Was sie auch schnell tat. Nur war da nichts. 

Als Lola dann aber kam, war ich total aus dem Häuschen und Lola genauso. Die Begleitung von Lola? Na ja… Es war mein Tierarzt. Noch Fragen? 

Ich habe mich aber extrem zusammengenommen und nur ganz leise geknurrt und nur ganz fein gebellt. Ehrlich. Gut, er war ja einfach nur nett und hat mir Lola gebracht. Ich sollte also wohl zufrieden sein. 

 


Feriengast - Erster gemeinsamer Spaziergang

 

Es war heiss, aber ich wollte Lola gern meinen Lieblingsspaziergang zeigen, den über die Wiese. Da hätten wir auch spielen können, aber weder ihr noch mir war danach.

Friedlich gingen wir nebeneinanderher, schnüffelten gemeinsam mal hier, mal da.

Später trafen wir noch Bela, ein Dackelmännchen, das ich sehr mag. Im Wald spielten wir zu dritt und hatten unseren Spass. Allerdings auch hier nur kurz, es war echt viel zu heiss. 

 


Feriengast - Unser erster Streit

 

Zuhause ging Lola, als hätte sie schon immer bei uns gewohnt, als Erste hinein. Okay, sie ist zu Besuch, da darf sie das. Mamayaki putzte ihre, dann meine Pfötchen. Alles so, wie es sich gehört. 

Drinnen haben wir dann endlich ein wenig zusammen gebalgt – es war hier erheblich kühler und angenehmer. Mamayaki war so richtig zufrieden mit uns, wir sind halt schon ein kleines Dreamteam. Und ich liebe meine Lola über alles - ausser Mamayaki, die liebe ich natürlich auch und sowieso.

Da ich meine Spielsachen mit Lola immer zu teilen bereit war, liess Mamayaki diese auch dieses Mal liegen. Lola begann mit meinem Fell-Dummie zu spielen. Das macht aber nur zu zweit Spass. Das weiss ich, weil ich immer mit Mamayaki damit spiele. Also war klar, ich machte mit. Das ging gerade mal ein paar Sekunden gut. Dann aber hat mich Lola zusammengestaucht. Aber so was von. 

Ich nahm dann etwas anderes, aber Lola griff mich gleich wieder an. Sie wollte alles. Und ich? Mamayaki ging nun dazwischen. Sie hat alle Spielsachen zusammengeräumt. Sie sagt, jeder weiss, dass man Spielzeug nicht rumliegen lassen soll. Ihr Fehler. Ich sehe das nicht so. 

Ich fiel aus allen Wolken. Ziemlich hart landete ich auf dem Boden der Tatsachen. Das soll meine Lola sein? Nun ging ich ihr aus dem Weg. Was gar nicht so einfach war. 

 


Feriengast - Unfreundliches Übernahmeangebot

 

Ich konnte hingehen, wo ich wollte, Lola kam immer mit, stupste mich an und blockte meine Wege. Nein, nicht so wie bisher. Das war immer liebevoll und freundschaftlich. Jetzt knurrte sie mich an, wenn ich zu Mamayaki ins Büro wollte. Also traute ich mich nicht mehr. 

Das sei dumm von mir meint sie. Es sei mein zuhause und ich dürfe Lola ruhig sagen, wenn mir was nicht passt. 

Ich legte mich auf meinen Platz aufs Sofa. Zwei Minuten. Lola kam und schubste mich weg. 

Ich legte mich in mein Bettchen, was mir ein Knurren Lolas einbrachte. 

Ausweichen war nun mein Thema. Dabei wäre ich doch gern bei Mamayaki. 

 

 


Feriengast - Mamayaki spricht ein Machtwort

 

Als ich noch nicht mal zu Mamayaki kam, als sie mich rief und traurig im Türrahmen stehen blieb, war es genug. Mamayaki rief mich und hielt Lola fest. Langsam machte ich mich auf den Weg. Als Lola knurrte schimpfte Mamayaki: „Lola, nein! Fertig. So geht das nicht.“ Immerhin liess Lola mich dann kurz in Ruhe. 

Meine Wolldecke nahm Mamayaki weg, sie wollte die Decke eh waschen und befand, dies sei gerade heute die perfekte Gelegenheit. 

Ich legte mich an Plätze, an denen ich noch nie zuvor gelegen hatte. Unters Pult zum Beispiel. So konnte Lola auf der Matte liegen und ich hatte meine Ruhe, da Mamayaki auf mich aufpasste. 

 

 


Feriengast - Zmorge

 

Lola ässe kaum bei dieser Hitze und sie trinke auch nicht. Na, da habe ich aber anderes erlebt. Als Erstes war Lola beim Trinknapf. Das finde ich super. Ich teile mein Wasser gern mit ihr. Die Leckerlis unterwegs nahm sie mit Freude. Und jetzt war ich gespannt auf das Zmorge. 

Weil Mamayaki ja nun schon wusste, dass Lola alles haben wollte, was ich habe, bereitete sie in weiser Voraussicht eine kleinere Portion desselben Essens wie meines vor und gab dazu noch zwei der mitgebrachten Trockenfutterknöchlein dazu. 

Lola ging gleich an meinen Platz. Ich stand weit entfernt und schaute zu. Mamayaki verwies Lola auf einen anderen Platz und rief mich zu sich. Mit Umweg, möglichst weit weg von Lola, ging ich dann an meinen gewohnten Platz. Beide bekamen wir nun unser Essen. 

Lola ass mit genauso viel Begeisterung wie ich. Ich war noch nicht mal in der Hälfte – und so viel mehr hatte ich dann auch nicht, im Fall! – als Lola schon fertig war und blitzschnell zu mir kam, um meine Ration noch zu vertilgen. Mamayaki hatte damit gerechnet und sagte laut und deutlich: „Nein!“ Dazu nahm sie Lola von meinem Napf weg, damit ich in Ruhe essen konnte. 

 

 


Feriengast - Mittagsschlaf

 

Mein Mittagsschlaf ist mir heilig. Den mache ich immer im obersten Stock. Dort ist es zwar unsinnig heiss, aber trotzdem gemütlich. Mamayaki schlug also vor, hinaufzugehen. Mein kleines Hundeherz jubelte. Wenigstens etwas, was noch blieb, wie es war. 

Lola? Kam natürlich mit. Mamayaki sprach mir gut zu, weil sie schon sah, dass es mir ganz und gar nicht passte. 

Der Platz auf dem Sofa Fussende war meiner. Und wenn Lola mir den jetzt auch noch nahm? Mamayaki sprach ganz lieb mit uns Hunden. Ich traute mich nicht aufs Sofa. Lola nahm gerade Anlauf. „Nichts da! Schau, Lola, du darfst hier auf den Sessel, wenn du möchtest. Dieser Platz hier gehört Yaki.“ 

Lola ging auf den Sessel und Mamayaki musste mich heute doch tatsächlich bitten, auf dem Sofa Platz zu nehmen. Kaum legte ich mich hin, kam Lola und wollte zu mir. Mamayaki griff ein und wies Lola in die Schranken.
 

Endlich entspannte ich mich, legte mich zuerst auf den Rücken und schlief dann selig auf der Seite ein. Lola blieb nur kurz, dann ging sie hinunter. Spielen hörte ich sie allerdings nicht. Sie hat sich wohl auch ausgeruht. 

 

 


Feriengast - Kleine freundschaftliche Gesten

 

Lola hat Mamayaki nach der Pause freundlich begrüsst und so tat ich es auch mit Lola.

Es schien wieder Friede zwischen uns zu herrschen. Spielen mag ich aber nicht, es ist mir einfach viel zu heiss. Immerhin sind draussen über 30 Grad. 

Der Nachmittagsspaziergang fällt also flach. Wir können aber hinten und vorne raus und sehen es durchaus ein, dass wir uns nur die Pfoten verbrennen würden, müssten wir jetzt raus. 

 

 


Feriengast - Klartext

 

Wir lagen gerade ein wenig draussen auf dem relativ kühlen Sitzplatz, wobei kühl eher Wunschdenken ist. Lola befand, sie müsse mich wegschubsen. Da reichte es mir. Ich sagte ihr deutlich die Meinung. Danach schaute ich Schuldbewusst in Mamayakis Augen, die alles beobachtet hatten. 

Mamayaki nickte nur und meinte: „Gut gemacht, Yaki, du sollst lieb sein, aber du darfst dich wehren, wenn dir was nicht passt. Prima!“ 

Ich war ein kleines bisschen stolz auf mich. Lola liess mich ab dann in Ruhe. Ich hoffe, das bleibt so. 

 

 


Feriengast - Endlich können wir raus

 

Auf 17 Uhr kam eine Sturmwarnung auf Mamayakis Handy. Kurz vor dieser Zeit legte uns Mamayaki die Leinen an und wir gingen raus. Ab in den Wald, hiess es, denn es war immer noch extrem warm. Der Boden war aber gerade noch erträglich. 

Im Wald wurde es dann plötzlich dunkel. Das angekündigte Gewitter schien doch noch zu kommen. Wir verliessen den Wald, es war grau, aber trocken. Ab zum Brunnen hiess es jetzt. Welch grosse Freude. Ich sprang sofort hinein, Lola schaute mir einen kurzen Moment lang zu und Schwupps kam sie auch zu mir. Das war toll. Endlich wieder zusammen, was Schönes erleben. 

Abgekühlt wollten wir noch weiterlaufen und Mamayaki war einverstanden. Am Schluss fragte Mamayaki, ob wir nochmals in einen Brunnen wollten. Ich schaute nur kurz zurück und bog dann genau Richtung zweiten Brunnen ab. Meine Antwort war also mehr als klar. Bei diesem Brunnen muss mich Mamayaki sonst immer hochheben, aber dieses Mal nahm ich einen richtigen Satz und drin war ich. Lola wollte auch. 

Mamayaki fragte sie, ob sie sie hochheben dürfe, was Lola selbstverständlich noch so gern zuliess. Ganz schnell war sie im Brunnen, wo sie aber mit ihren kurzen Beinchen schwimmen musste. War das ein Riesenspass! 

Danach wollten wir rumtoben und spielen. Wir drehten ein paar Runden um Mamayaki, der es ganz schwindlig wurde. Wir waren nämlich an der Leine, weil überall Strassen rundherum, für Freilauf also viel zu gefährlich. 

Vergnügt gingen wir nachhause. 

 

 


Feriengast - Abendessen

 

Zuhause blieb ich aber wieder im Gang liegen. Ich traute mich nicht mehr aufs Sofa oder in mein Bettchen. Ich hielt Abstand und hoffte auf ein bisschen Ruhe. Das klappte ganz gut. 

Zum Abendessen wurde ich wieder ins Wohnzimmer gebeten. Ich traute mich nicht. Aber Mamayaki bestand, stur wie sie nun mal ist, darauf, dass ich wie immer an meinem Platz neben dem Tisch essen sollte. Genauso wie Lola, nur nebendran mit genügend Abstand. 

Es gab was Feines: Pferdefleisch, ein paar Nudeln und Krautstielgemüse mit wenig Rapsöl. Wir genossen es sehr. Ich glaube, Lola hätte noch mehr genommen, jedenfalls wollte sie bei mir noch Essen klauen. Aber das durfte sie nicht. Mamayaki meint, sie denke, dass die Hälfte meiner Portion wahrscheinlich genug sein dürfte. Für längere Aufenthalte müsste sie das natürlich überprüfen, aber so… Mit all den Leckerlis unterwegs und dem Zvieri-Geflügelhälsli sollte das schon passen. 

Danach ging es auf eine kleine Abendrunde, die wir ebenfalls wieder sehr genossen. 

 

 


Feriengast - Zeit fürs Bett

 

Wo würde ich diese Nacht in Ruhe schlafen können? 

Ich hatte schon gesehen, dass Mamayaki Lolas Box und ein kleines weiches Häuschen ins Schlafzimmer gestellt hatte. Sollte ich da rein? Oder würde Lola am Ende auch auf dem Bett schlafen? Dann würde sie mich ganz sicher runterschubsen, oder? 

Mamayaki sorgte vor. Lola wollte zwar direkt aufs Bett. Sie war da, bevor ich auch nur richtig ins Zimmer konnte. Aber Mamayaki zeigte ihr liebevoll die beiden anderen Möglichkeiten, die für Lola vorgesehen waren. 

Ursprünglich hatte Mamayaki überhaupt nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn wir zwei zusammen gekuschelt hätten, und sie ihr Bett mit uns beiden hätte teilen müssen. Aber nach diesem etwas anstrengenden Tag entschied Mamayaki anders. 

Sie meinte, wir zwei müssten unbedingt ein bisschen Distanz haben und ich bräuchte dringend das Gefühl, dass ich hier noch zuhause bin. Lola akzeptierte dies wunderbar. Sie probierte zuerst das Gästehaus, wechselte dann aber in die ihr bekannte Box.

Mamayaki wollte noch kurz duschen und zog sicherheitshalber während dieser Zeit kurz den Reissverschluss zu. Langsam entspannte ich mich. 

Als Mamayaki zurückkam und den Reissverschluss wieder öffnete, war Lola schon fast eingeschlafen. Ich auch. 

Im grossen Ganzen war es ein schöner Tag. Ich mag Lola nach wie vor sehr. Sie war einfach ein bisschen unfair zu mir und das machte mich schon traurig. Mamayaki sagt, es sei eben nicht dasselbe, eine Freundin ab und zu treffen, als wenn die Freundin dann bei einem einzieht. Wahre Worte.

 

 

 

 


Feriengast - Ein neuer Tag

 

Heute Morgen war es ganz schön. Mamayaki streichelte mich wie immer. Dann kam Lola und begrüsste Mamayaki mit einem Küsschen und nun streichelte Mamayaki Lola. Das passt. Danach kam Lola zu mir. Sie sprang aber nicht aufs Bett, sondern stellte ihre Pfötchen auf die Bettkante und gab mir ebenfalls ein Küsschen. Mmmh, das war richtig schön. Ich wedelte vor Freude. So kenne ich sie, meine Lola. 

Der folgende Spaziergang war wunderbar. Wir durften oft freilaufen und spielten auch zusammen. Unterwegs trafen wir noch Amy, eine grössere Colliehündin, die ich auch sehr mag. Lola war nett zu ihr und so sind wir zu dritt ein Stück weit spazieren gegangen. 

Es war nass und schmutzig im Wald. Und so sah Lola mit ihrem weissen Fell etwas gar dreckig aus. Mamayaki ging deshalb mit uns in den Keller. Dort hat es eine Dusche, in welche Lola nun geführt wurde. Sanft wusch Mamayaki ihr schönes, weiches Fell am Bauch ab. Ich habe zugeschaut. Das sah schön aus und danach, nach dem Abtrocknen war Lola wieder wunderschön. Ich hatte nur ein wenig schmutzige Pfoten, das war schnell geputzt. Aber so eine Dusche ist auch was Schönes. 

Nach dem Duschen gab es ein feines Mittwochs-Frühstück: Rührei mit etwas Schinken. Das war sehr fein und Lola hat es auch genossen. Dazu noch ein paar Mümpfeli Brot mit Butter. Es war so richtig friedlich und schön. 

Ich legte mich in mein Bettchen und wollte ein Verdauungsschläfchen machen. Leider wurde nichts daraus. Lola meinte, sie wolle jetzt in dieses Bettchen und schubste mich knurrend weg. Da wurde ich für einmal sauer und knurrte sie kräftig an. Weil ich Lola aber mag, bin ich dann trotzdem aufgestanden und überliess ihr den Platz. 

«Falsch!», sagte Mamayaki. Ich hätte das prima gemacht. Lola dürfe überall liegen, auch zu mir, wenn ich das wolle, aber knurren und rausschubsen ginge definitiv nicht. Lola durfte dann nicht in meinem Bettchen liegen, obwohl es jetzt ja leer war. 

Ich sag ja, Mamayaki ist zuweilen richtig stur. Sie zeigte Lola den Sessel mit dem Lammfell und das Sofa – überall könne sie hingehen, aber im Moment nicht in dieses Bettchen. Lola hatte verstanden. Ab da war Ruhe und ich hatte endlich das Gefühl, ich dürfte auch wieder im Wohnzimmer sein. Einzig das Büro mied ich, aber da war Mamayaki heute sowieso kaum. 

Wir hatten es gut zusammen heute. Wenigstens meistens. Manchmal nervte sie mich, wenn ich meine Ruhe haben wollte und sie ständig an mir rumfummelte. Dann wurde ich laut und es ging wieder. Immer mit schlechtem Gewissen. Mamayaki bestärkte mich aber jedes Mal. 

Wenn ich ruhig wurde und schlief, spielte sie dafür mit Lola oder streichelte sie. Ich habe das schon gesehen und fand es ganz okay. Hauptsache, ich darf Mamayaki auch noch ein bisschen haben. Meistens drückt sich Lola nämlich dazwischen, dann gehe ich halt weg. 

Heute konnten wir auch einen schönen Nachmittagsspaziergang machen und ich zeigte Lola einige meiner Lieblingsplätze. Das war wieder sehr schön. Wenn wir zusammen unterwegs sind, macht es fast immer riesig Spass. 

Zuhause schmusten wir ein bisschen und lagen miteinander im Wohnzimmer. Friedlich, einmal Lola auf dem Sofa und ich im Bettchen, dann umgekehrt. Manchmal, selten zwar, aber immerhin, sogar nebeneinander auf dem Sofa. 

Das Abendessen freute uns sehr. Es gab Lachs, wieder ein paar Nudeln und Krautstielgemüse. Herrlich. Im Essen sind wir uns einig. Es schmeckt! 

Mamayaki hatte es schon angekündigt, Lola ginge heute wieder nachhause. Als Mamayaki nun aber alles von Lola zusammenpackte, legte sich Lola hin und schaute kurz etwas traurig aus ihren schönen Kulleraugen. Ich weiss schon, sie hat es hier sehr genossen, sie war auch die meiste Zeit richtig glücklich. 

Für mich war das nicht ganz so. Ich habe einiges einstecken müssen, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ich musste lernen, mich zu wehren. Mamayaki sagt, ich müsse anständig bleiben, aber sagen, wenn mir was nicht passt. Das war und ist gar nicht so einfach. Ich mag Lola so sehr. Und böse will ich nicht zu ihr sein. «Das bist du nicht Yaki, du bist so rücksichts- und liebevoll. Das nimmt dir Lola ganz sicher nicht übel, wenn du ihr sagst, dass sie dich nicht anknurren und wegschubsen soll. Ich mache das ja auch.» Stimmt. Und beide haben sich trotzdem gern. 

Jedenfalls tröstete Mamayaki Lola, die sich auf den Rücken gelegt hatte, und streichelte lange ihren Bauch und ihr Brüstchen. Lola war selig. 

Dann kam Johannes und Lola bellte ihn an. Ich staunte, das war doch mein Job? Ich schwänzelte dafür und leckte ihm kurz die Hand. Als er dann aber reinkam, bellte auch ich. Man weiss ja nie, was da noch kommt. 

Und dann verabschiedeten wir Lola. Schade irgendwie. Irgendwie auch nicht. Jedenfalls brauche ich jetzt erst einmal ein paar grosse Mützen Schlaf. Ich muss mich von meiner aktiven Freundin erholen. Dann darf sie gern wiederkommen. Mamayaki nickt: «Schon sicher, Lola ist hier immer willkommen.» 

 

 

 


Inkonsequent

 

Mamayaki gibt schon auch mal nach, wenn eine ihrer Ideen sinnlos erscheint. Ansonsten ist sie äusserst konsequent. Bis gestern.

Wir waren im Wald unterwegs und trafen am Waldrand auf ein oranges Säckchen – ja, so eines für unsere Hinterlassenschaften. Mamayaki ärgert sich über solche liegen gelassenen Säckchen sehr. Sie sieht nicht ein, weshalb man unseren Kot einpackt und dann liegen lässt.

Gut, es soll ein paar Menschen geben, die machen das, gehen eine Runde ohne diese schwere Bürde und holen sie später wieder ab. Mamayaki sagt aber, dass sie oft genug sieht, dass dasselbe Säckchen auch am nächsten Tag noch dort liegt, wo es gestern schon gelegen hat.

Oft nimmt Mamayaki die Säckchen mit und entsorgt sie bei nächster Gelegenheit. Heute befand sie, sie liesse den Sack, wo er war. Es wäre schliesslich nicht ihre Aufgabe, immer allen hinterher zu räumen. – Immer? Allen? Dramaqueen lässt grüssen. 

Nach einigen Metern befand Mamayaki dann, sie hole diesen Sack nun trotzdem. Schliesslich wäre da gleich ein Entsorgungskübel. Sagte es und drehte um.

Aber nicht mit mir. Ich wollte ganz sicher nicht wieder zurück. Also blieb ich stehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Kraft und Ausdauer ich habe, mich in den Boden zu rammen. Fast hätte Mamayaki mein Gstältli ausgezogen, so sehr hat sie dieses Mal gezogen. Sie redete und zog. Egal. Ich blieb.

Dann kam die Frau, der wir bereits zuvor begegnet waren, wieder retour. In der Hand den orangen Sack. Mamayaki blieb nun stehen und meinte lapidar: «Ah, Sie haben nun das Säckchen. Ich wollte es soeben holen.»

Wir erfuhren, dass es von ihrem Hund sei, dass sie diese Säcke immer deponierten und später wieder abholten. Mamayaki legte ihre Meinung dazu dar, worauf die Frau fand, dass sie es ungleich schlimmer fände, wenn die Hunde ihren Dreck einfach im Wald hinterliessen. Da stünde man rein, hätte Schuhe, die man wegwerfen könne,…

Mamayaki entgegnete, dass man die bestens in die Waschmaschine geben könne und dass liegen gelassener Plastik im Wald für die Umwelt um einiges schädlicher wäre. Hundekot verrotte schliesslich. Einigkeit war keine da.

Und weil es keinen Grund mehr gab, umzukehren, gingen wir weiter. So wie ich es wollte. Völlig inkonsequent. Ich merke mir das. Wobei Mamayaki mir schon zu verstehen gab, dass das rein gar nichts mit meinem sturen Kopf zu tun gehabt hätte. Womit denn dann?

 

 


Irrtum

 

Wenn ich was Gutes tue, bekomme ich zur Belohnung ein Leckerli. 

Nun ist es so, dass ich zuweilen irgendetwas in meiner Pfote kleben habe, das da nicht hingehört. Klebrige Blütenblätter und anderes Pflanzenzeugs zum Beispiel. Meistens bekomme ich das alles mit meinem Schnörrli wieder weg. Aber nicht immer. Und manchmal klebt es dann, anstatt an den Pfoten, eben an besagtem Schnörrli, was genauso mühsam ist.

Dann hole ich Mamayaki zu Hilfe. Mamayaki entfernt dann alles wunderbar. Das klebrige Zeug hat sie dann an den Händen und manchmal ist es dann auch für sie ein Kunststück, es wieder loszukriegen. Ich jedenfalls bin froh, endlich wieder normal laufen zu können.

Ich signalisiere dann, dass es jetzt definitiv Zeit für ein Leckerli wäre. „Wozu?“, fragt Mamayaki mich dann regelmässig. Mit dem Zusatz: „Wenn schon, dann hätte ich ein Leckerli verdient. Ich habe es schliesslich entfernt.“

Na ja, da ist was Wahres dran. Nur habe ich nun mal kein Leckerli für sie dabei. Meine frisst sie nicht. Also könnte doch ich…

 

 


Schneckentempo

 

In letzter Zeit treffen wir unterwegs im Wald ziemlich viele Weinbergschnecken an. Die kriechen langsam über den Weg. Im Schneckentempo eben. 

Mamayaki hat zu Beginn jede einzelne Schnecke hochgehoben und sie auf die andere Seite des Weges transportiert. Die Schnecken lernten fliegen. So waren sie in Sicherheit und mussten nicht fürchten, zertreten zu werden. 

An sich gut gemeint. Dann kam Mamayaki in den Sinn, dass sie es gerade gar nicht schätzt, wenn man ihr ein Rundum-Sorglos-Gesund-Paket anbietet. So im Sinn „Bleiben Sie zuhause“ und vieles andere mehr. 

Seit da bleiben die Schnecken, wo sie sind. Mitten auf dem Weg. Sie ziehen in ihrem Tempo von dannen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ist schliesslich ihr Leben. 

 

 


Tankstelle

 

Als Navigator brauche ich Energie. Am besten in Form von feinen Leckerlis. Meine Reichweite ist beschränkt. Ich halte es da mit den E-Autos – ich brauche immer wieder mal eine Tankstelle. Ist die gefunden, was ein Leichtes ist, da immer dabei, bin ich aber im Nu wieder aufgeladen. Es kann weitergehen. 

Mamayaki meint zuweilen, ich übertreibe es. Von wegen. Wenn ich schon die ganze Arbeit mit dem Suchen interessanter Wege, inklusiver Führung, übernehme, dann will ich auch was davon haben. Klar, die Wege sind natürlich von sich aus schon toll. Aber Mamayaki soll ruhig merken, was sie an mir hat. 

Ich glaub’, sie weiss das auch so recht gut. Mit Leckerlis ist mein Leben aber schöner. 

 

 


Variationen

 

Die Wege des Yaki sind unergründlich. Oder so. Ich bin ganz ehrlich, ich hasse es, immer dasselbe zu tun. Also fast. Schlafen geht. Fressen geht – aber auch hier bitte abwechslungsreich. 

Schmusen geht – aber auch hier mal mit einer Massage, mal mit Reiki, mal einfach so und mal gar nicht. Spazieren geht immer. Zu jeder Zeit. Lang und möglichst immer anders. 

Dafür sorge ich. Man kann sich gar nicht vorstellen, in wie vielen Variationen ich so einen Weg gehen kann, auch wenn es immer mal wieder derselbe ist. Da kann ich zum Beispiel die Richtung wechseln, einen Umweg einplanen, unvermittelt abbiegen und etwas ganz Neues erkunden. 

Und immer dann, wenn Mamayaki meint, sie wüsste jetzt, wo es durchgeht, geht es garantiert nochmals ein bisschen anders. 

Varianten sind was Schönes. Ich nenne es Varianten-Laufen. 

 

 


Wilerhof

 

Den Wilerhof kenne ich vor allem vom dran vorbei spazieren – ist einer meiner Lieblingswege. Im letzten Jahr war ich aber schon mal dort, und zwar zum Essen im grossen Biergarten. Ich hatte das aber wohl vergessen. 

Vor einigen Tagen waren Mamayaki und ich aber wieder dort – mit lieben Freunden zum Essen. Ja, ja, ich auch. Mamayaki schnitt ein Stück von ihrem Fleisch für mich ab, legte es ein meinen Napf, zusammen mit feinen Bohnen, Broccoli, Blumenkohl, Karotten und zwei, drei Pommesfrites. Das war herrlich. So essen macht einfach Freude.

Mamayaki probiert alles zuerst, um zu schauen, dass auch ja nichts zu stark gewürzt oder zu stark gesalzen ist. Erst wenn die feinen Sachen, die so lecker duften, den Test bestanden haben, bekomme ich wirklich davon. Es passte. 

Heute nun waren wir am Nachmittag auf einem längeren Spaziergang. Unterwegs lenkte ich den Weg geschickt in Richtung Wilerhof. Nichts aussergewöhnliches, wie gesagt, gehen wir oft genug dort durch. 

Aber – und jetzt kommt das ganz grosse ABER: Ich bog schnurstracks zum Seiteneingang in den Biergarten. Dort wäre jetzt nämlich fein Essen angesagt. 

In der Theorie. Lachend nahm Mamayaki zur Kenntnis, dass mir das Restaurant und das Essen dort sehr gefiel. Dann zog sie mich unter Protest meinerseits fort. 

Ein Versuch war es Wert. Und das Versprechen, dass wir bald wieder dort hin gingen, habe ich gehört.