April 2023

  • Der Zwerg
  • Die blauen Säckchen
  • Achtsam unterwegs
  • Frühlingsmode
  • Das Glück gefunden
  • Schnuppern
  • Sicher, dass...
  • Meine schwachen fünf Minuten
  • Mamayaki plant den Törn
  • Frühes Aufstehen

Der Zwerg

 

Auf einem meiner Lieblingsspaziergängen traf ich einen Zwerg. Der ist zwar viel grösser als ich, aber er ist ein Zwerg. 

Mutig, wie ich bin, ging ich zu ihm hin, denn der schien irgendetwas feines zu essen zu haben. Aber ich konnte mit dem plaudern, wie ich wollte, er zeigte keine Regung. 

Mamayaki erklärte mir dann, dass der, wie der Wolf, die Schnecke, die Eule und der Indianer, ebenfalls aus Holz wäre. Aha. Blöd. 

Dann erinnerte ich mich schwach daran, wie ich vor den anderen Holzfiguren vor rund einem Jahr panische Angst gehabt hatte. Das ist vorbei. Also könnte der Holzzwerg ruhig zum Leben erweckt werden. Wir hätten sicher Spass zusammen. 

Bei längerem Nachdenken verzichte ich aber, denn dann würden vielleicht auch der Indianer und der Wolf wieder lebendig. Das muss nicht sein. 

Die blauen Säckchen


Diese sind für mich. Besser gesagt für meine Hinterlassenschaften. 

Wenn wir im Wald unterwegs sind, treffen wir zahlreiche solcher Säckchen. Leer und gefüllt liegen sie am Wegesrand. Mamayaki liest die alle auf und entsorgt sie. Ist nicht ihr Job, im Fall. Sie sagt, dass das dem Wald aber nicht guttäte, also tue sie was dagegen.

Schon richtig so. Wobei ich mich schon frage, wieso die anderen Menschen so anders sind als meine Mamayaki. Klar finde ich es zuweilen auch doof, wenn sie da noch lange sammelt und das Säckchen dann den ganzen Weg mit sich rumschleppt, anstatt eine Hand zusätzlich frei für mich zu haben. 

Letzthin habe ich was von Klimaklebern gehört. Was das ist, weiss ich nicht genau, aber Mamayaki sagt, die wollen unser Klima retten. Das sollen sie doch mal im Wald tun. Da gäbe es ganz viel Klima zu retten. 

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, auf was ich da, nebst den blauen Säckchen, so alles stosse. Bierdosen, leere Kaffeebecher, Capri-Sonnen-Beutel, Kaugummipapier, Red Bull Dosen… Es stinkt ganz gewaltig und stört mein Klima sehr. Also her mit den Klimaklebern.

«Gott bewahre!», sagt Mamayaki. Die will ich nicht auch noch im Wald. Ich frage mich wieso? Die könnten doch einfach den Müll einsammeln und alles wäre gut. 

Mamayaki sagt, gerade das täten sie nicht. Sie lägen lieber stundenlange quer auf den Wegen. Mir wäre das egal. Ich würde über die drübersteigen, sie beschnuppern und vielleicht beim Einen oder der Anderen auch mal mein Bein heben. Wo also ist das Problem?

Das Glück gefunden

Auf dem Spaziergang sah Mamayaki viele Kleeblätter. Staunend blieb sie stehen und suchte mit den Augen alles ab. Ich wartete. Geduldig.

Was genau sie da wollte? «Weisst du, Yaki, ich möchte so gern mal ein richtiges vierblättriges Kleeblatt finden.» Na gut, das brauchte wohl so seine Zeit, also setzte ich mich hin und betrachtete meinerseits die Umgebung.

Es dauerte. Mamayaki suchte weiter. Etwas in ihr sagte, sie müsse gar nicht so weit suchen. Der Sinn dieses Satzes erschloss sich ihr nicht sofort.

Jedenfalls kam es, wie es kommen musste. Mamayaki fand keines.

Wir gingen weiter und trafen eine Frau mit jungem Hund. Dieser ist grösser als ich und erst acht Monate alt. Also genau meins. Ich mag junge Hunde. Wir hatten auch ein ganz kleines bisschen Spass zusammen – leider durften wir nicht von der Leine.

Die Frau fragte ein paar Sachen mich betreffend. Jedenfalls lobte mich Mamayaki in den höchsten Tönen, was im Schlusssatz gipfelte: «Yaki ist mein grösstes Glück!»

Eben. Wozu braucht sie dann noch ein nichtssagendes vierblättriges Kleeblatt. Sie hat mich!

Schnuppern

 Dass ich mit der Nase ständig irgendwo am Schnuppern bin, ist längst bekannt. Das ist nun mal mein grösstes und spannendstes Hobby. 

In letzter Zeit bleibt aber auch Mamayaki immer mal wieder stehen und riecht an was. Ich möchte wissen, was sie da für News bekommt. Leider ist das zu weit oben für mich. Sie könnte ruhig weiter runterkommen, dann könnten wir gemeinsam schnuppern. 

Aber nein, sie riecht nur oben, wo ich nicht hinkomme. Das ist ärgerlich. Ich würde all die Düfte, die ich rieche, gern mit ihr teilen. Sie behält alle für sich. 

Meinte ich. Dann hob sie mich hoch. Super dachte ich. Und dann? Das roch nach Pflanzen, gut, aber da waren keine Nachrichten dran. Völlig uninteressant. 

Hund soll die Menschen mal verstehen. Mamayaki sagt, sie liebe die Frühlingsdüfte der Pflanzen – ich müsse ja nicht dran riechen. 

Abgemacht. Sie oben, ich unten. So passt das. 

Sicher, dass...

Ich bin stolz auf mich. Mamayaki aber noch viel mehr. Sie sagt, ich sei erwachsen geworden. 

Dabei war ich schon erwachsen, als ich zu ihr kam. Aber ich benahm mich eher wie ein Welpe. Unsicher, weil alles neu für mich war. Ängstlich, weil ich einige schlechte Erfahrungen gemacht hatte. 

Dann probierte ich mich aus und kam sozusagen in die Pubertät. Auch diese hatte ich längst hinter mir. Die Umstände erforderten jedoch, dass ich die nochmals kurz durchlebte.

Tja, und jetzt sei ich erwachsen, sagt Mamayaki. Noch genauso verspielt, verschmust, liebenswert, aber selbstsicher und voll im Leben. Das hingegen stimmt.

Gestern gab mir Mamayaki eine Eierschachtel, in der sie drei feine Leckereien gepackt hatte. Ich brauchte meine Zeit, aber ich packte alles aus und genoss. 

Die Herausforderung machte mir grossen Spass und ich ging nur zweimal zu Mamayaki, um ihre Hilfe anzufordern. Diese gab sie mir. Nein, sie öffnete die Box nicht für mich. Aber Mamayaki sprach mir Mut zu und sagte mir, dass ich das kann. Sie zeigte mir, wo ich am besten mit dem Öffnen ansetze, und liess mich weitermachen.

Der Erfolg gab ihr Recht. 

Immer wieder gab Mamayaki mir solche Aufgaben. Schnell gab ich auf. Ich würde das nie schaffen, dachte ich. Immer bekam ich kleine Hilfestellungen, sodass ich alles schaffen konnte. 

Und tata! Heute kann ich das fast allein. Und ganz, ganz lange. Sicher, dass!

Meine schwachen fünf Minuten

Wider meine neuesten Gepflogenheiten blieb ich heute früh liegen. Früh ist relativ und für mich heisst das kurz vor neun Uhr. Draussen schien es noch dunkel zu sein. Zumindest fast. 

Als Mamayaki fertig war, liess ich mich zuerst mal ausgiebig bürsten und streicheln. Schön war’s. 

Dann aber bewahrheiteten sich meine schlimmsten Befürchtungen, die sich schon anbahnten, als Mamayaki ihren Bornholm-Regenmantel mit Gummistiefel und Regenhose montierte. Auch ich bekam meinen Mantel – den Warmen. 

Freiwillig raus ging ich schon gar nicht. Mamayaki half sanft nach. Da sass ich dann, wie ein Häufchen Elend auf dem Teppich vor der Haustüre und hoffte, auf ein Einsehen der Wettermacher.  (Meine ersten schwachen fünf Minuten😊) 



Die hatten keines, genauso wenig wie Mamayaki. Ich musste raus. Es regnete in Strömen und es war kalt. Also machte ich baldmöglichst mein erstes Bisi, ging rund fünfzig Meter weiter, lieferte das Zweite und kehrte um. (Meine zweiten schwachen fünf Minuten  😊 )

 

Mamayaki kam mit. Ehrlich, bei diesem Wetter schickt man keine Mamayaki raus.


Sie ist tapfer und kommt immer mit, egal welches Wetter da draussen herrscht. Freude macht es uns beiden nicht, aber noch immer kann ich den Trick mit dem WC leider nicht. 

Zuhause hiess es dann alles wieder auf Anfang und dann wurde ich liebevoll mit einem warmen Frottiertuch trocken gerubbelt. Für diesen Teil dürfte es immer regnen. Aber nur für diesen. 

Mamayaki plant den Törn

 

Unruhe hängt in der Luft. Ich kann es riechen, es ist was im Busch. Genauer gesagt, es geht auf einen Törn mit Peters Selandia. 

Im letzten Jahr war das eine tolle Sache. Mal sehen, wie das in diesem Jahr wird. Onkel Töbi kommt leider nicht mit, was mir stinkt. 

Jedenfalls ist Mamayaki am planen. Irgendwie scheint es mir, als mache sie nichts anderes. Gerade geht es aber nicht um die Orte, die wir anlaufen. Die sind ein bisschen vorgegeben, sagt sie. An Bord ist so einiges defekt: Die Wasserpumpe läuft zwar, ist aber provisorisch - eine Neue muss her. Die Bilgenpumpe ist defekt. Der Heizung fehlt Glykol. Der Geschirrspüler läuft nicht mehr. Das Überdruckventil ist kaputt. – All das muss repariert oder ersetzt werden. 

Es heisst, wir führen mit dem Schiff von Sneek nach Port Zélande. Mamayaki sagt, dort würde es mir sicher auch gefallen. Mal sehen. 

Mich interessiert nur, dass ich regelmässig spazieren darf. Und kuscheln. Und schlafen. Und bei Mamayaki sein. Und futtern. 

Das mit dem Futter ist eben gerade Mamayakis Hauptthema. Normalerweise kauft sie alles vor Ort ein. Dieses Mal, weil wir einen fixen Fahrplan haben und sie für alle Eventualitäten gerüstet sein will, macht sie das anders. Sie kauft für die ersten Tage hier ein. Und das will geplant sein. 

Mir egal. Hauptsache, es gibt was Feines. 

Habt ihr gedacht, ich spreche von Hundefutter? Sicher nicht. Das gibt es zwar auch, ist mir aber weitaus weniger wichtig. 😊 

Frühes Aufstehen

 

Ich habe schlecht geschlafen. Mamayaki auch. Das ist immer so, bevor wir in die Ferien gehen. Ich meine, ich könnte ja schon, aber schlaf du mal, wenn Mamayaki ständig das Licht anmacht und auf die Uhr schaut. Als ob so die Zeit mit diesem albernen Getue schneller vorbei ginge. 

Jedenfalls war es dann wieder so, dass sie gegen drei Uhr aufstand. Ich blieb liegen. So lange, bis ich merkte, nun war alles soweit fertig zur Abfahrt. Da musste ich auch parat sein. 

Was folgte war eine lange Autoreise nach Sneek. Ich schlafe den ganzen Weg oder döse. Und ganz ehrlich, ich liebe es nicht. Ich erdulde es. Das aber mit Stil. Von mir hörst du rein gar nichts. Ich steige aus, wenn man mich lässt, futtere etwas mit, wenn es etwas gibt und lasse mich geduldig wieder angurten, um weiter zu schlafen. 

Das Frühstück in Saarbrücken war herrlich. Ich bekam von Mamayaki von ihrem Teller Käse, Wurst und feines Brot. So ist reisen durchaus angenehm. 

Der schönste Moment war jedoch das Ankommen. Mamayaki ging mit mir sofort auf Tour und ich durfte mich auf dem grossen Grasfeld in der Marina austoben. Endlich wieder festen Boden unter den Pfoten. 

Für den Abend war ein Treffen mit Verena und Stefan ausgemacht. Die zwei mag ich ganz gut – ich durfte sie schon zuhause besuchen. Das mit dem auswärts essen war mir egal, denn ich hatte meine Essensration bereits bekommen. Und ich wusste, Mamayaki gibt mir immer etwas von sich ab. Also macht Ausgehen auch mir Spass. 

Ausserdem bekommt Hund im Proeflokaal einen Wassernapf und feine Leckerlis. Ich fühle mich dort sehr willkommen. Von mir aus können wir dort also gern wieder hingehen.